Gut sein lassen.

Das menschliche Gehirn ist ein Segen – man kann reflektieren, lernen, (über-)denken, es mit Wissen füllen (oder Dinge einfach verdrängen) und dieses Wissen anwenden. Manche sind in der Lage die komplexesten Dingen zu erfassen und zu verstehen. Die 10 hoch 10 Neuronen, die zig Synapsen und all die kleinen, niedlichen Nervenbahnen tragen Sorge dafür, dass wir fühlen, empfinden. Nein, sie bestimmen quasi unser Leben – oder halten uns am Leben. Atmen, Schlafen, unsere Bewegungen, all diese Dinge. Unser Gehirn ist das, was uns letztendlich ausmacht – was Persönlichkeit und Charakter gibt, den menschlichen Verstand und all die Möglichkeiten, die wir haben und somit nutzen können.

Was nur, wenn die Umwelteinflüsse und ein erblicher Defekt im Hirn einen nicht das offensichtlich vorhandene Potential nutzen lassen? Ich war nie super in Mathe – vor allem Geometrie – aber ich kann Eins und Eins zusammenzählen. „Rezidivierende Depressionen“, „Anpassungsstörungen“ und „PTBS mit zugehöriger Panikstörung“ sind nicht „Ich“. Es ist ein Fehler in der Matrix. Viel zu viele Menschen gehen her und identifizieren sich damit – dabei hat dies niemand nötig. Es ist ein Defekt, der wiederholte Fehlermeldungen rausgibt und somit den Gesamtablauf stört. Vielleicht kann man es wie einen Virus sehen, der versucht, zu manipulieren. Macht einen eine Grippe aus? Eine andere Krankheit?

Was tut man dann?

Man kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und/oder lernen, damit umzugehen. Manche brauchen lange, weil sie sich – offen gesagt – darin suhlen. Es gibt Menschen, die leiden wollen, weil sie nichts abseits dessen haben (weil es zB. die einzige Nährquelle für genügend Aufmerksamkeit ist, oder weil sie somit für ihr Verhalten immer die perfekte Ausrede haben), weil sie das Gefühl haben, dass es Menschen gibt, die dringender Hilfe benötigen und sie somit ablehnen und es gibt Menschen, die einfach nie gelernt haben, zu reflektieren und zu verstehen. Letzteres bedeutet oftmals Meinungen hinzunehmen und in Betracht zu ziehen, dass nicht immer alles nur schlechte Wendungen nimmt, dass auch andere Menschen Gefühle haben – abseits der eigenen – und das Verständnis dafür, dass man gefühlsgelenkt auch gerne einfach mal nur Scheiße baut. Man muss hinnehmen lernen, einstecken lernen und vor allem NACHDENKEN lernen, ehe man sich von etwas lenken lässt.

Das fängt schon bei Kleinigkeiten an: „Ist der Gedanke, den ich gerade habe gerechtfertigt? Gibt es einen Grund für das Gefühl? Wie wird es anderen Menschen mit dem gehen, was ich tue/sage/denke? Wie würde ich mich in dieser Situation fühlen, wenn mir das passierte? Wo wird mich das hinführen, wenn ich alles weiterlaufen lasse? Warum bin ich wütend/sauer/traurig/enttäuscht/etc. und ist dieser Grund wirklich gegeben?“

Natürlich. Depressionen sind lähmend, sie quälen, sie lassen einen nicht schlafen oder lassen dich nur schlafen und sie machen aus dir nicht zwingend einen besseren und sozialeren Menschen. Das Aufstehen erfordert eine  – gefühlt – unendliche Kraft, das Arbeiten, das Weggehen, soziale Interaktionen, Haushalt, selbst die einfachsten Dinge erscheinen einem wie ein unüberwindbarer Berg an Aufgaben und Taten. Man hat ständig das Gefühl zu zerbrechen und man fühlt sich schlecht, könnte grundlos weinen, grundlos schreien und fühlt sich im Allgemeinen häufig wertlos. Depressionen sind wie eine Gestalt, die du mittragen und mitschleifen musst. Sie versperren dir Wege, klammern sich um deine Beine, nehmen dir die Sicht und sind auf all deinen Wegen eine Last. Dies ist leider häufig so, weil man sich diese Last selbst auferlegt oder sie duldet, anstatt sie abzuwerfen oder zu pausieren.

Manchmal ist es so, dass man äußere Umstände ändern muss, um zu einem besseren Gefühl zu finden. Ein Umzug, eine neue Schule/Arbeit, ein neues soziales Umfeld können da Wege sein.  Manchmal ist es aber so, dass man SICH ändern muss – sei es durch Abgrenzung, Aussortierung falscher Freunde oder Verhaltensweisen, die einem nur selbst oder anderen schaden. Wichtig ist unter anderem, impulsives Verhalten zu kontrollieren oder zumindest kurz innezuhalten und über jenes nachzudenken. Viele Menschen lassen Dinge einfach laufen, warten ab und erwarten. Sie verletzen andere auf Grund „ihrer Bedürfnisse“ die sie, weil sie es so fühlen, über die der anderen stellen und weil sie nicht in der Lage sind, das volle Spektrum an Konsequenzen zu tragen, oder gar vorher zu sehen – „Ich bin nunmal so.“. Es gibt auch Menschen, die nicht in der Lage sind, soziale Kontakte zu halten oder zu pflegen. Da muss man ab und an über seinen Schatten springen – denn meist ist es, wenn man erstmal drin ist – okay.

Manchmal ist es auch wichtig, Dinge einfach gut sein zu lassen. Dinge einfach zu nehmen, wie sie gerade sind, den Druck rauszunehmen und die positiven Dinge daran zu finden. Wenn man sich schlecht fühlt, WEIL man sich schlecht fühlt, einfach mal sagen: „Es ist gerade eben so“, aber sich auch sagen: „Das ist nicht von Dauer“. Man muss Wege finden, aus den Dingen eine Kraft zu schöpfen und sich etwas Gutes zu tun, auch wenn man glaubt, es nicht verdient zu haben. Und man muss vor allem Wege finden, aus einem Kreis auszubrechen, der immer nur tiefer hinab führt. Denn dieser Kreis kommt nicht von dir, das bist nicht du. Er entsteht im Inneren und er entsteht, weil man das Gefühl hat, nichts tun zu können – aber dem ist nicht so.

Es gibt immer einen Weg – ist die eine Tür versperrt, eine Mauer errichtet oder ein Weg noch nicht gefunden – so wirst du eine andere Möglichkeit finden – solange du darum kämpfst und solange du dich davon nicht komplett einnehmen lässt. Niemand muss das – Du auch nicht.

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