Vom Zweifeln

Zweifel ist das Unkraut der Gedankengänge.

Es setzt sich in die Ritzen, in die unbedachten Ecken, um dort zu keimen und mit der Zeit zu wachsen. Sie werden höher und größer und versperren dir den Blick für alles drumherum. Man kann sie kürzen und schneiden, aber wenn man sie nicht herausreißt, werden sie wieder wachsen – langsam aber stetig. Irgendwann werden sie Samen streuen und sich vermehren – immer schneller und unaufhaltsamer.

All das, was du zuvor pflanztest – die Erinnerungen, die wilden und schönen Rosen, die Sonnenblumen, all die Farben, die werden im Schatten zu Grau werden und durch das fehlende Sonnenlicht eingehen. Sie werden verkümmern, wenn Du sie nicht pflegst. Und sie werden sterben, wenn du nicht für sie sorgst.

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Ich gehören zu den Menschen, die das Unkraut erst beseitigen, wenn alles andere dabei ist, zu verkümmern. Man sieht die Dinge erst, wenn sie offensichtlich draufgehen und bis dahin ist es ein schleichender Prozess. Und wie wir wissen, sind schleichende Prozesse etwas, was man auf Grund der Langsamkeit nicht immer gleich erkennt. Als ich vor zwei Jahren  20 Kilogramm abnahm, hab ich das erst mitbekommen, als ich mich (gezwungener Weise) auf eine Waage stellte. Klamotten, die offensichtlich zu groß wurden, waren bis dahin kein Thema, denn auf manche Dinge muss man sich mit Fakten aufmerksam machen.

Nun, Fakten. Die sind nicht immer einfach zu beschaffen, wenn man sich in seiner Welt etwas zusammen spinnt, für das man schlicht keine Beweise hat. Fakt ist, ich bin in beinahe all meinen Beziehungen irgendwann betrogen oder belogen worden – selbst nach mehrmaligem Hinweisen und darauf folgenden Aussprachen, weil es niemand geschissen bekommen hat, sich einfach gleich von mir zu trennen und einem das Gefühl vermittelten eine gute und einfache Partie zu sein,  welche auch zukunftsorientiert einfach zu ertragen ist. Eine Partie, die bei geringstem Widerstand wieder einfach zur Vernunft zu bringen ist, wenn man weiß, wie es läuft. Sei es durch Gewalt, oder das Wissen, was der andere hören will.  Ich bin in allen Arbeitsverhältnissen als etwas behandelt worden, was nur einen geringfügigen Dienst leistet, trotz der Übernahme von Verantwortung, vieler Aufgaben (die sonst niemand verrichten konnte) und der ständigen Schichtwechsel (oder teils 12h-Schichten). Die Bereitschaft, mehr zu geben, als von mir verlangt wird, hängt mir ein bisschen in den Knochen und war für mich immer selbstverständlich.

Aber wann hört das Geben auf? Das ist eine Frage, die ich mir häufig stelle. Man gibt nicht immer 110% – denn es wird selten bis gar nicht gewürdigt. Man ist nicht immer da, wenn andere es verlangen – denn meistens ist das für andere selbstverständlich und wird mit der Zeit sogar erwartet.
Ich bin nach all den Jahren nicht mehr bereit dazu, ALLES zu geben und als einzige Idiotin an einem BurnOut oder einer Depression zu sterben – wenn einfach nichts mehr von einem übrig ist. Einem muss klar sein, dass es mehr gibt, als GEBEN UND NEHMEN. Es muss eine Vertrauensbasis herrschen, ein MITEINANDER, welches viel zu oft einfach nonexistent ist.

Und das Schlimmste an allem: Es macht dich mürbe. Es macht einfach nur gottverdammt mürbe – weil man sich 24/7 Gedanken macht, wie man etwas erreicht, das gefühlt mehrere Planeten entfernt liegt. Weil man sich in den einfachsten Situationen zureden muss, da man keinen Vertrauensvorschuss mehr erbringen kann, weil die ganzen Reserven über die Zeit einfach aufgebraucht sind. Weil man die Menschen durchschaut, ihr Handeln durchschaut, ihre Worte an den Wänden abprallen, als sei das Echo nur ein weiteres Versprechen – denn doppelt hält besser. Ich bin ein Jemand – keine Wand die dasteht, dem Treiben zusieht und abwartet. Keine Wand, die den Mund hält und nichts hört oder sieht.

Die Wände in Krankenhäusern haben mehr Gebete gehört, als jede Kirche. Und so ist es mit mir. Ich hab viel zu oft Worte gehört, die nicht für mich bestimmt waren und viel zu oft jene, die nicht ehrlich gemeint waren. Worte in diesem Zusammenhang sind wie der Dünger, der die Zweifel einfach weiter wachsen lässt. Die Taten, die nicht den Worten entsprechen reißen die oben genannten Blumen einfach heraus – bis nichts mehr übrig ist und sich die Zweifel völlig ausbreiten.

Und am Ende bleiben nur noch Fragen und das in allen Situationen, weil sich das Gehirn das so antrainiert hat und weil es ein Mechanismus ist, der verhindert, dass sich Dinge wiederholen. Man fragt sich, was mit einem verkehrt ist, was man falsch gemacht hat, wie viel Wahrheit in den Lügen steckt und in den Worten aller Menschen. Man fragt sich, wie oft die Dinge passieren mögen, bis man irgendwann ein friedliches bzw. gutes Ende findet und man fragt sich, wie weit man mit Vertrauen und Vorsicht gehen darf/muss.

Und dann erwischt man sich beim Gießen des Unkrauts.

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