Ihr seid nicht das Volk!

Ich hab weder Politik studiert noch die Weisheit mit Löffeln gefressen – aber ich besitze Empathie und ein Gehirn zum nachdenken. Sollten sich manche Menschen auch zulegen. Die Fähigkeit über den eigenen Tellerrand zu schauen ist in dem Fall auch von Vorteil.

Ich debattiere seit gefühlten Wochen mit Wutbürgern, Neunazis, Altnazis und Menschen, die sich für „das Volk“ (aber nicht für Nazis) halten.
Leider passt die Bezeichnung  „Volk“ so gar nicht, da sie seit der Neuzeit für eine Menschengruppe (u.U. eines Staates) steht, die eine Sprache und eine Kultur teilen. Mal abgesehen davon, dass das selbsternannte „Volk“ der deutschen Sprache gefühlt  nicht mal richtig mächtig ist, müsste ich  mich selbst als einen Teil dieses „Volkes“ sehen – das kann und will ich aber nicht.  Angebracht wäre eher die Bezeichnung „völkische Bewegung“ und wer das jetzt nochmal auf Wikipedia nachschlägt wird sehen, dass diese Bezeichnung sehr wohl deutschnational und antisemitisch-rassistisch gemeint ist.
Ich bin kein Nazi, aber… SCHNAUZE. Ihr seid Arschlöcher, die anderen nicht mal die Butter auf ihren Broten gönnen. Rassistisch, selbstgerecht und von Hass getrieben. Angst vor Veränderungen, Angst vor Unbekanntem – so typisch Deutsch.

Ich debattiere mit diesen Menschen, weil ich der Meinung bin, dass es immer noch genügend Mitläufer gibt, die sich gar keine Gedanken um solche Dinge machen, sondern einfach nur irgendwo dazugehören wollen. Die keine (oder rechte) Medien konsumieren, nur das hören, was sie hören wollen und durch entsprechende Kreise eben auch nur jene Dinge vorgesetzt bekommen und jene verdrehen. Manchmal sind einsichtige dabei, welche sagen, dass sie manche Aspekte nur von einer Seite beleuchtet haben. Das ist der einzige Grund, wieso ich mir das überhaupt noch antue. Zwischen 100 Beleidigungen, zwischen 100 Eingriffen in die Privatsphäre, zwischen 100 uninformierten Dummschwätzern sitzt einer, der die Reißleine zieht und wenigstens versucht zu verstehen. Es ist einfach wichtig, nicht immer den Mund zu halten und andere machen zu lassen. Das selbsternannte Volk droht und reißt ebenfalls ihre Fresse auf – warum also nicht Andersdenkende? Einer von ihnen war Blogger Heinrich Schmitz, welcher sich zurückzieht aus Angst um das eigene Leben und das seiner Familie. Die Petition, in der er auch tätig war, gibt es übrigens immer noch. Auch wenn das Demonstrationsrecht meiner Meinung nach nicht anzugreifen ist, lohnt es sich auf jeden Fall, die Entwicklungen zu verfolgen und jene zu unterschrieben, insofern man damit übereinstimmt.   Jetzt erst recht.

Nachfolgend kommen einige Kommentare, die mir immer wieder in den Medien entgegenstrotzen, oder mir an den Kopf geworfen wurden. Natürlich während man mich gleichzeitig als Asylhure, frigide Linke und  als einen Gutmenschen betitelte.

„Uns Deutschen geht es auch nicht gut – man sollte erstmal im eigenen Land helfen.“

Uns Deutschen geht es nicht gut? Du hast diesen Kommentar nicht ernsthaft über ein internetfähiges Endgerät geschrieben, in deiner warmen Wohnung, unter einem Dach? Du sitzt nicht in einer Wohnung oder draußen im schönen, grünen Park mit bezahlbaren Lebensmitteln, viel Wasser oder Bier? Du rennst nicht durch die Straßen auf der Suche nach medizinischer Versorgung, ein paar Lebensmitteln oder einem Weg, irgendwie zu entkommen? Dir geht es zu gut! Du hast deinen Fernseher, auf dem du dir täglich dein Verdummungsprogramm ansiehst, beziehst Hartz4/Lohn/Rente, du hast eine fucking Krankenversicherung! Du hast bezahlbare Lebensmittel, das Wasser kommt aus der Leitung und hey – niemand ist hinter dir her, es gibt keinen Krieg und das Beste noch: du darfst deine dämliche Meinung verbreiten, wann immer du willst. Diese Rechte und Güter haben viele Geflüchtete in ihren Herkunftsländern nicht. Dies müsste man aber erstmal zu schätzen wissen.
Ihr gönnt es nicht mal euren eigenen Landsleuten: immer haben andere mehr und ihr wollt immer mehr, am liebsten, ohne etwas dafür tun zu müssen. Deine größten Probleme sind die Politiker, das Wetter, die Einwanderer, die GEZ. Denn jeder will nur etwas. Aber du gibst selten etwas – nicht mal ein Lächeln.

„Ich suche seit 3 Jahren nach einer Wohnung und die freien werden für Flüchtlinge genutzt!“

Um eine Wohnung zu bekommen, muss ein Geflüchteter erstmal Wochen bis Monate warten, teils in Asylantenheimen, teils in Zelten. Zusammengepfercht, ohne Privatsphäre, auf engem Raum, teilweise unter widrigsten Umständen. Und sie sind dankbar dafür. Sie sind dankbar dafür, dass sie den langen und gefährlichen Weg überlebt haben. Sie verstehen unsere Sprache in selteneren Fällen, leben mit weiteren Geflüchteten auf engem Raum und verstehen diese auch nicht zwingend. Sie haben Angst, sind meistens traumatisiert und müssen auch noch all diesen Hass ertragen.  Du sitzt da, in einer Wohnung dessen Zimmeranzahl oder Badewanne dir nicht passt, auf der Suche nach mehr Luxus. Immer nur auf der Suche nach mehr,  für wenig Geld und jammerst. Du jammerst über alles – und wenn es nur deine Nachbarn sind, oder die Farbe deiner Fliesen.

„Ich arbeite rund um die Uhr und die haben Smartphones und wollen unser Geld!“

Diese Menschen haben einen weiten Weg auf sich genommen, auf Boote gequetscht, auf der Autobahn ausgesetzt. Jedes Jahr sterben Hunderte von Geflüchteten auf dem Weg in die Hoffnung. Die Hoffnung auf ein bisschen Frieden, auf ein Leben ohne Angst. Einige davon haben Smartphones – aber es ist kein Luxus. Sie brauchen keine Fernseher, keine Markenhandtasche, keinen teuren Sommermantel, keine verdammten Nike-Schuhe, welche in manchen Ländern sowieso hergestellt werden. Sie brauchen Ruhe.

Diese Menschen wollen nicht an unser Hab und Gut – sie wollen gottverdammtnochmal leben und wer sind wir, die uns hier die Ärsche pudern lassen und andere unter unsere Bedürfnisse stellen?

„Die meisten sind Wirtschaftsflüchtlinge!“

Statistisch gesehen sind die meisten Menschen, die unsere Zuflucht suchen aus Ländern in denen bösartigster Krieg herrscht. Natürlich können wir das nicht nachvollziehen, obwohl wir es besser wissen müssten, aber unsere Generation hat nicht mehr viel vom Krieg mitbekommen und weiß nicht, wie es ist, wenn Bomben fallen, die eigene Familie erschossen wird oder Angehörige unter Trümmern liegen. Wenn die eigenen Kinder mit Waffen unter den Armen in den Krieg ziehen müssen, obwohl sie sie kaum tragen können. Wir wissen das nicht mehr. Aber das gibt uns nicht das Recht zu beurteilen, wer verdient hat, in unser Land zu fliehen und um Hilfe zu bitten. Übrigens wird der Großteil der „Wirtschaftsflüchtlinge“ über kurz oder lang ins eigene Land zurückgeschickt. Nachlesen kann man das übrigens hier und hier.

 „Die Kriminalität ist seither weit angestiegen und wird von den Medien als Einzelfälle tituliert, oder die Nationalität wird von ihnen verschwiegen!“

Genaugenommen sind Geflüchtete verschieden, wie unsere Mitbürger. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Geflüchtete öfter Straftaten begehen, als Deutsche oder noch andere Staatsbürger. Für Jugendliche ist dies sogar widerlegt worden.
Mir ist in den letzten Tagen häufiger eine Polizeistatistik über den Weg gelaufen, mit der versucht wird, diese Behauptung zu untermauern. Das ist allerdings ziemlicher Bullshit, denn es geht bei dieser Statistik nicht um Täter, sondern Tatverdächtige. Desweiteren werden Menschen auf der Durchreise (demnach nicht Flüchtlinge sondern Urlauber und Co. aus aller Herren Länder) mit eingefasst und zudem noch auf die Einwohner angerechnet. Desweiteren fehlen jegliche Tatunterscheidungen – könnte ja von Mundraub bis Mord alles sein. Wenn die Deutschen somit statistisch gesehen mehr Morde begehen, als tatverdächtige Ausländer, welche vor Hunger zum Beispiel eher zu Diebstahl neigen, hat euch eure ganze These auch nicht mehr so viel gebracht.  Im Grunde ist diese Statistik bei weitem nicht so aussagekräftig, wie die Herren und Frauen Nazi glauben. Zum anderen ist das Anzünden von Flüchtlingsheimen und fremder Leute Eigentum auch nicht gerade der Kavaliersdelikt. Und wenn man euch darauf hinweist, dass ihr somit eure eigenen Steuergelder verbrennt, dann sind die Linken jene, welche ja viel mehr Schaden anrichten. Natürlich. Im Namen des Volkes darf man ja alles. Auch spinnen.

Ich hab niemals einen Menschen durch Krieg, durch politische Verfolgung oder ähnliche Gegebenheiten verloren. Ich hab niemals meine Familie in der Heimat zurücklassen müssen, in der Hoffnung die Schwächeren, welche die Reise unter Umständen nur schwer überleben können, später zu holen.  In eine Welt, in der sie sehr häufig nicht freundlich empfangen werden, in der sie mit Intoleranz und Ignoranz gestraft werden, obwohl sie sich ihre Lebensumstände nicht herbei gesehnt haben. In eine Welt, in der zum Großteil nur noch Gier herrscht. In die Welt, in der man Geld für Fackeln ausgeben kann, um mit jenen einen Marsch durch die Stadt zu machen und dumpf nachgeplapperte Parolen zu brüllen. In eine Welt, deren Sprache sie nicht verstehen, sich ständig rechtfertigen und dumm anglotzen lassen müssen. In eine Welt, die so kalt geworden ist.

Deutschland, ich schäme mich für dich. Du kotzt mich an.

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16 responses to “Ihr seid nicht das Volk!

  • Arne-Kolja Bachstein

    Erschwerend bei der Kriminalitätsquote kommt hinzu, dass schon die illegale Einreise eine Straftat ist, sowie die Flucht an sich schon Straftaten beinhalten kann. Somit ist in der Statistik oft schon jemand mit erfasst, der nur die Grenze touchiert.

  • Chris B. (@Pixaster)

    Hab eigentlich nur ein Problem mit dem Text – so im Großen und Ganzen. Du kritisiert Verallgemeinerung und Missgunst und Hass – Verallgemeinerst aber eine ziemlich laute Gruppierung als „typisch Deutsch“. Von der Art und Weise halte ich leider nicht viel, auch wenn deine inhaltlichen Punkte definitiv ihre Berechtigung haben. (auch wenn du auch wieder etwas tust, was du eigentlich selbst kritisierst, du setzt dich nicht ernsthaft und neutral mit den Sorgen und Problemen der „Arschlöcher“ auseinander, weil für dich eh (scheinbar, unterstelle ich anhand deiner Ausdrucksweise, sorry wenn ich falsch liege) alles Schmarn ist, was die von sich geben. Ist genau genommen ebenso voreingenommen.)

    Versteh‘ mich nicht falsch, auf ’ner Makroebene, also gesellschaftlich gesehen, sind deine Ausführungen zu treffend. Für den Einzelnen aber, gibt es in der Tat Argumente für bspw. „BRD brauch das Geld selbst“, die ebenfalls ne legitime Meinung darstellen können. Wir reden hier eigentlich von einem Schicht-Problem. Die Unterschicht und Mittlere-Unterschicht in der BRD wird schlicht (begünstigt durch den fortschreitenden Abbau des Sozialstaates) mit Existenz-Ängsten konfrontiert und fühlt sich (wieder, Abbau des Sozialstaates) im Stich gelassen (während Gelder für „die“ ausgegeben werden). Klar, wie gesagt, global gesehen Bullshit, aber wie reden von den bildungsarmen Schichten des Landes – da gibt es weniger nachvollziehbare Meinungen auf diesem Planeten. Jetzt zu sagen „ihr seid alles Arschlöcher, und eure Sorgen und Meinungen interessiert niemanden“ finde ich persönlich viel zu einfach und auch unfair. Auch wenn du sie nicht leiden magst – „Die Arschlöcher“ sind genau so Menschen die eine Meinung haben dürfen, wie du und ich (auch wenn wir jene nie unterschreiben würden).

    Der Fehler liegt hier einfach in meinen Augen darin, dass unsere Regierung seit Jahrzehnten kaum etwas gegen die Politikverdrossenheit der Unterschicht tut und allgemein im Handeln wenig transparent ist (genauer, es ist umständlich nachzuvollziehen, aber möglich). Für viele sind einfach die Zusammenhänge nicht sichtbar, natürlich auch weil viele einfach nicht die Interesse haben. Niemandem ist geholfen, wenn du ihnen sagst, wie blöd sie sind und wie doof ihre Ansichten sind. Meinungen sind eben nur das: Meinungen. Das Ergebnis des sozialen Kontextes aus dem ich stamme und in dem mich befinde. Wir brauchen mehr Aufklärungsarbeit, mehr transparentes Handeln der Regierung. Weniger Hass auf Hass – und vor allem, niemand hört dir ernsthaft zu, wenn du ihn nicht ernst nimmst – auch „die Arschlöcher“ haben legitime Sorgen und Probleme. Solche von der Sorte, die ich nicht haben möchte. Ich vermisse von allen Seiten her den offenen, ehrlichen und unvoreingenommenen Dialog.

    • Gedankensafe

      Sorry, dass ich jetzt erst antworte: ich hab aktuell nicht sehr viel Zeit und wollte mir unter anderem erstmal Gedanken über deinen (und andere) Kommentare machen.
      Ich weiß nicht, ob wir uns über Twitter kennen, aber ich hab im Blogpost schon ein Mal angerissen, dass ich mit den Menschen diskutiere. Ich diskutiere (natürlich kann man das nur sagen, wenn man mich kennt) im Regelfall sachlich und gehe auf etwaige Beleidigungen nicht ein. Dieser Post war insgesamt mehr für diese Menschen gedacht, denen gar nicht der Sinn danach steht, über irgendwas nachzudenken, was über ihren Horizont hinausgeht. Die Menschen die beleidigen, rassistische Äußerungen tätigen und selbst mehr als unsachlich sind („Aber die Linken!“).. Desweiteren wollte ich der Wut, welche sich nun über die Wochen angestaut hat, einfach mal Luft machen. Drastisches Schreiben ist in dem Fall tatsächlich mein Stil. Das „Typisch Deutsch“ bezog sich darauf, dass „Meckern“ allgemein gesprochen (und ich meine damit nicht mal zwingend über Flüchtlinge) eher unser Stil ist. Ich hab da jetzt keine Verbindung zum Rassismus gezogen, der sonst thematisiert wird. 🙂

      • Jan o Nym

        Nabend, wenn du dich für das deutsche Land schämst und es dich ankotzt, so wandere doch aus und beantrage Asyl in einem Land deiner Wahl. Bestimmt schon oft gehört, leider. Oder schließe dich den Antifaschisten an, ist doch eine ganz dufte Truppe. Deine Toleranz gegenüber der deutschen Bevölkerung ist wohl auch nicht weit her. Ach so, das du die Weisheit nicht mit dem Löffel gegessen, erwähntest du bereits, vorsorglich, jedoch gemeint hast du in deinem Fall „ich stehe über den Dingen, alle anderen (die Neurechten und Altrechten) sind ohne Gehirn und können nicht über den Tellerrand schauen“. Ach ja, das liebe Volk war in den griechischen Stadtstaaten, das Organ das Waffen tragen durfte also der Armee in unserem Verstehen. Der Bürger ein untergeordneter Kontrollrat der obersten Deme (kleine Führergruppe der aristokratischen Ordnung) Viel Glück noch im deutschen Lande.

      • Gedankensafe

        Dieser Artikel ist bewusst überspitzt und drastisch geschrieben. Dass du mir „viel Glück im deutschen Lande“ wünschst und der Rest des Kommentars zeigen mir ein bisschen, warum.

  • Carsten

    Könntest Du bitte den letzten Satz nochmal überdenken.
    Ich bin auf Deiner Seite. Und auch ich bin Bestandteil dieses Landes. Viele andere sind ganz oder teilweise auf Deiner Seite. Auch die machen Deutschland aus. Beschimpf uns bitte nicht alle, weil einige Dich ankotzen.
    Differenziere bitte im letzten Satz, so wie Du es im ganzen Text zuvor getan hast.
    Danke.

    • Gedankensafe

      Der letzte Satz war eher Stilmittel – daher kursiv geschrieben. Es geht mir nicht um ganz Deutschland, sondern den rassistischen Anteil, der sich für ganz Deutschland hält. Es war keineswegs so gemeint. 🙂

  • moebius97

    Hat dies auf Zeitgeister rebloggt und kommentierte:
    Eiige super Argumente, warum es Flüchtlingen nicht besser geht, sondern übler. Erstaunlich, dass man das überhaupt sagen muss, aber wenn schon … dann kann man es wohl nicht besser zusammen fassen, als die Autorin vom „Gedanken-Safe“. Vielen, vielen Dank!

  • Ihr seid nicht das Volk! | GedankenSafe | Zeitgeister

    […] Quelle: Ihr seid nicht das Volk! | GedankenSafe […]

  • Flüchtlinge ziehen nicht einfach um! | Zeitgeister

    […] Teil verweise ich auf die Sammlung bei Sammlung im Wa(h)renhaus von Jens und vor allem Ihr seid nicht das Volk im Gedankensafe. Zu sagen wäre vielleicht noch, dass wir alle diesen Auftrag ernst nehmen sollten: Es wächst alles […]

  • Schmidt

    Der Artikel strotzt nur so von Intoleranz und Beleidigungen – das ist abstoßend. Wenn man für Toleranz wirbt, sollte man das auch Andersdenkenden zugestehen.

  • Anna

    Ok, also das heißt, wenn man hart für sein Geld arbeitet und sich wohnungstechnisch vergrößern oder verbessern möchte, dann jammert man nur rum und dieses Recht, sich verbessern zu wollen steht einem nicht zu? Und dass Wohnungen mehr und mehr unbezahlbar werden ist kein Geheimnis und sollte auch zu Ihnen durchgedrungen sein. Und dass die Flüchtlinge „dankbar“ sind in ihrer hiesigen Unterkunft würde ich so nicht generell unterschreiben. Was ist mit dem Gemecker übers Essen? Dem Gemecker über fehlendes W-Lan? Dem Gemecker darüber, dass es keine getrennten Duschen gibt? Für jemanden, der gerade mit dem Leben davon gekommen ist und froh sein sollte, endlich mit Kind und Kegel in Sicherheit zu sein, ziemlich viel Gemecker. Wieso ist es so schlimm, besorgt zu sein? Angst zu haben? Wieso wird das immer so runtergespielt und belächelt? Niemand, auch Sie nicht, weiß, wie die Lage in einem Jahr aussieht, wie sich das alles hier entwickelt. Vor allem wenn noch all die Schwippschwager und Großcousinen nachkommen, zugespitzt ausgesagt. Man wird mich nie bei einem Marsch von Pegida & Co sehn (kriege so etwas immer nur über Twitter/Nachrichten mit), ebenso wenig werde ich aber auch irgendwo an einem Bahnhof stehen und mit Teddybären winken.
    Diese uneingeschränkte und beinah beängstigende Euphorie über diese Völkerwanderung entzieht sich meinem Verständnis. Sobald man nicht alles abnickt und mit offenen Armen dasteht und bedingungslos alles lachend willkommen heißt, ist man der Buh-Mann. Ja, ich mache mir Sorgen. Das sind viele Menschen. Sehr viele. Aus gänzlich unterschiedlichen Kulturen. Ich habe Angst vor noch mehr Parallelgesellschaften, Stadtteilen, in die man sich als Deutscher im eigenen Land besser nicht rein traut. Davor, dass die hiesigen Werte nicht respektiert werden und dass die Bürger sich deswegen einschränken und zurückhalten müssen, um sich den Zugezogenen anzupassen und nicht umgekehrt. Davor, dass Steuern und Krankenkassenbeiträge steigen. Und diese Besorgnis kann mir niemand nehmen, denn niemand weiß, wie die Konsequenzen wirklich aussehen. Auf lange Frist gesehen.

    • Gedankensafe

      Es ist für mich ein deutlicher Unterschied, ob jemand besorgt ist und Angst hat – oder ob er Propaganda macht. Jemand der nur besorgt und ängstlich ist, verbreitet weder Hetze, noch greift er Andersdenkende an.

      Die Wohnungspreise und Co. hängen von Wohnort und Lage ab. Ich wohne in Darmstadt, Sie können sich den Mietspiegel gern mal anschauen… Abgesehen davon, hab ich das nicht in Frage gestellt. Ich habe in Frage gestellt, dass Menschen andere dafür verantwortlich machen und hetzen, weil sie sich ihrer Güter nicht mal bewusst sind. Vielen Dank für den Kommentar dennoch.

    • Gedankensafe

      Ich möchte mal mit dem letzten Beitrag nun mal einen Spiegel vorhalten – vielleicht beantwortet das ein paar Fragen.

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