Mein Problem mit Extremen (Feminismus, Unterhaltungsmedien, Diskussionskultur)

Vorweg: Dieser Post beabsichtigt Kritik am Umgang miteinander – dies beziehe ich auf Themen wie Feminismus, Genderdiskussionen, Vegetarismus/Veganismus, die Videospielbranche, generellen Extremismus und überhaupt auf beinahe alles, was zwei Seiten hat – obwohl es nicht nur zwei Seiten hat. Es gibt nicht nur die Enden einer Fahnenstange oder einer Wurst, nicht nur Schwarz oder Weiß. Es geht um die Diskussionskultur, nicht darum, Themen zu verteufeln.
Wer nun den Kopf schüttelt und nicht weiter lesen mag, kann Alt+F4 drücken, oder cmd+Q.

Ich hatte schon immer ein Problem mit Extremen und gehörte nie zu den Menschen, die ihre Meinung oder Ansicht mit der Keule durchsetzen. Ich war zum Beispiel häufig auf Demos die sich gegen rechtes Gedankengut und Rassismus stellen, gehörte aber nie zu den Leuten, die sich vermummten und Steine auf Polizisten/Menschen warfen, oder die Scheiben von Banken oder ähnlichem einwarf, weil sie den Kapitalismus nicht unterstützen wollten – in Nike-Schuhen. Ich finde auch, dass man über viele Themen sprechen muss, gerade, wenn sie einen stören und betreffen und dass man den Mund nicht halten darf. Ich positioniere mich klar gegen Rassismus und klar gegen Nazis, aber die Herangehensweise in Form von massiver Aggressivität und Gewalt ist nicht die meine, mehr nicht.  Das betrifft nicht nur Radikalität/Aggressivität im politischen Sinne, sondern auch jene, die den Leuten in Diskussionen gerne zu Teil wird – egal, ob es um Feminismus, Ernährungskultur, Unterhaltung, Gender, Sexualität oder persönliche Vorlieben geht.

Frankfurt vor wenigen Monaten.

Frankfurt vor wenigen Monaten.

Seit jeher beschäftige ich mich mit den Themen, die mir über den Weg laufen: ich sammle Informationen, ich google Anglizismen, ich beobachte Diskussionen und ich nehme an Diskussionen teil. Letzteres aber nicht mehr sehr oft und das hat mehrere Gründe. In manchen Themen wird einem einfach das Urteilsvermögen oder die „Diskussionshoheit“ abgesprochen.

Bist du nicht klar und zu 100 Prozent für uns, musst du gegen uns sein.“ – Das ist ein Satz, der so zwar nie ausgesprochen wird, aber in seiner Ausführung zur Realität gehört. Wie oben schon erwähnt, finde ich Diskussionen sehr wichtig und halte sie in der Kommunikation für unverzichtbar – aber wer entscheidet eigentlich, zu welcher Seite ich gehöre und wer entscheidet, ob ich für oder gegen etwas bin, weil ich vielleicht mit einem Teilaspekt einer Sache nicht einverstanden bin? Und wer entscheidet, dass er mich einfach in eine Schublade stecken darf?  Anscheinend jeder, außer mir.

Du nennst dich nicht Feministin? Dann kannst du keine Frau sein oder dir ist alles egal“

Grundlagen dieser Diskussionen sind doch irgendwo, die Themen näher an den Menschen zu bringen, Vorurteile, Diskriminierungen und Rassismus zu bekämpfen – die Welt insgesamt jeden Tag ein bisschen offener werden zu lassen. An sich ist das ein schöner Gedanke, wenn da nicht die Menschen wären, die jede Aussage und jedes bisschen Kritik so unglaublich persönlich nähmen und schlimmer noch – selbst diskriminierten, indem sie Menschen von Themen ausschließen oder ihnen ihre Meinung absprechen. Auch sehr schlimm: Beleidigungen am laufenden Band. Ich glaube nicht, dass irgendein Mensch nach solch einer Diskussion herging und sagte: „Ohja, du hast mir die Augen geöffnet. Ich bin so dankbar dafür, dass ich nicht mitreden durfte und Nazi genannt wurde – das hat mich zum Nachdenken angeregt.“
In manchen feministischen Gruppen ist etwas sexistisch, sobald der Großteil der Gruppe es als sexistisch empfindet. Die aktuelle Interpretation von Deutungshoheit („Die Betroffenen haben das Sagen“ – was nicht generell falsch ist) bedeutet, dass sich jemand erstmal outen muss, um mitreden zu dürfen. Es ist aber durchaus von Risiken behaftet Menschen ein Outing zu erzwingen (Sexualität, Religion, psychische oder generelle Krankheiten, Erfahrungen) und schließt diejenigen aus, die sich nicht outen können/wollen – schon gar nicht unter der Prämisse dies in der Öffentlichkeit zu tun.  Ich empfinde es  als anmaßend darüber zu urteilen, was ich oder andere Menschen als sexistisch empfinden sollen. Es gibt viele Dinge, die ich als sexistisch empfinde, aber auch viele, die auf mich eher übertrieben wirken – das ist halt die subjektive Wahrnehmung eines Einzelnen. Natürlich gehe ich nicht damit konform zu sagen: „Nur weil ich ein Problem nicht habe oder sehe, gibt es dieses Problem nicht“ – das ist auch nicht das, was ich sagen will. Ich will sagen, dass ich nicht bevormundet werden will. Ich will mich nicht Nazi nennen lassen oder für etwas verurteilt werden und ich will mir keine Worte in den Mund legen lassen, die ich nie gesagt oder gemeint habe, nur weil ich vielleicht 3 oder 4 Prozent einer ganzheitlichen Aussage anzweifle oder nicht ganz als richtig empfinde. Ich lasse mir sehr gerne Dinge erklären und ich versuche wirklich immer Dinge zu verstehen, aber ich lasse mir keine Feindbilder aufdrängen, sondern denke über die Dinge selbst nach. Ich will mich nicht blöd anmachen lassen, weil ich Tampons nicht als Unterdrückung empfinde oder mir Menstruationstassen suspekt sind. Ich finde es anmaßend zu sagen, dass ich, weil ich nach 8 Jahren extrem harter Arbeit nun wieder studiere und nun mehrheitlich Zuhause bin und mein Bald-Mann arbeiten geht, mich in ein Rollenbild drängen ließe. Dem ist nicht so, denn – und das wird einige überraschen – ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Unvorstellbar. Ich kann selbst entscheiden und habe mich selbst entschieden.
Genauso wenig bin ich ein schlechter Mensch und habe etwas gegen Menschen verschiedenster Geschlechter oder Sexualitäten, weil ich „man“ immer noch schreibe oder nicht alles perfekt durchgendere – für mich allein macht die Sprache noch lang keine Veränderung aus – wenn ihr das für euch so entscheidet und ich deshalb trans-/homo-/nonbinary-feindlich sein soll, finde ich das unschön. Vor gar nicht so langer Zeit ist jemand blöd angemacht worden, weil die Person (s)einem Kind einen pinken Schulranzen schenkte. Das Mädchen hat sich diesen gewünscht, also diese Entscheidung für sich selbst getroffen. Hätte es einen blauen gewollt, hätte es einen blauen bekommen und das einzige, was das Internet macht ist: „Wieso unterstützt du die Scheiße?“ – Warum?
All die oben aufgeführten Dinge sind keine Verallgemeinerungen, aber Situationen, die so passiert sind.

„Deine Aussage ist transphob, ich block dich jetzt.“ – „Erklär mir das bitte.“ – „Diskussion beendet, tschüss.“
Ich halte es außerdem für gefährlich Menschen ihre Probleme abzusprechen, oder sie zu vergleichen – das wird in so ziemlich allen Kontexten getan. Auch das ist ein Sich-Über-Einen-Anderen-Menschen-Stellen, vor allem, wenn man diesen Menschen überhaupt nicht näher kennt. Aussagen wie: „Ja, dann bist du eben eine Frau, die solche Probleme nicht hatte und der Diskussion nicht weiter wert, weil du es als Nichtbetroffene eh nicht verstehst“
Frauen wie ich, die damit jetzt nicht zwingend hausieren gehen, dass sie in Beziehungen Gewalt erfahren haben, oder auf Grund ihres Geschlechts benachteiligt und/oder belästigt wurden, bleiben nach solchen Aussagen dann auch eher sprachlos zurück und fühlen sich unter Umständen auch richtig schlecht.  Es sollte nicht der Sinn sein, dass sich Menschen aus Themen heraushalten, die sie betreffen oder die sie interessieren, weil sie immer damit rechnen müssen, angefeindet zu werden, sobald ihre Meinung nicht die des anderen trifft. Bei Twitter findet man sich auch schneller in einer Gruppe von Leuten wieder, die auf dich einreden, als dir lieb ist – halte ich auch nicht gerade für den guten Ton, Diskutanten öffentlich anzuprangern und darauf zu warten, dass deine Mitstreiter dir helfen, oder jemanden aus dem Gespräch zu entfernen, um dann über ihn zu reden.

Vielleicht macht man sich auch einfach mal Gedanken darüber, dass die eigene Person nicht der Maßstab aller Dinge ist und dass man nicht zwingend eine Art Urteils- und Meinungsherrschaft hat, weil man sich einer Gruppe zugehörig fühlt. Vielleicht macht man sich auch klar, dass man selbst nur ein Mensch ist, der mal emotional wird oder Vorurteile hat. Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein. Ach nein, Steine wollten wir ja nicht – dann halt den Wattebausch. Man kann sich sicher auf die Schulter klopfen und sich selbst sagen, ich leiste etwas für das, was mir wichtig ist – man sollte das aber nicht tun, wenn man dafür andere Menschen übergeht, diffamiert oder beleidigt. Es ist wichtig etwas für Gerechtigkeit und die eigenen Interessen und Leben zu tun, aber man sollte sich damit nicht über andere stellen. Niemand ist zwingend schlechter, weil er deine Meinung in etwas nicht vertritt und niemand steht unter dir, weil er deine Meinung nicht verstehen kann.

Generell wird in fast allen Themen nur noch Finger-pointing betrieben. XYZ ist scheiße, weil er nicht meiner Meinung ist, XYZ ist ein Nazi, weil 99% aller Nazis sowas ähnliches gesagt haben, alle Spieleentwickler sind scheiße, weil sie XYZ nicht berücksichtigen, alle Autoren sind scheiße, weil sie z.B. nicht alles durchgendern, alle Männer sind scheiße weil XYZ. Das einzige was ich immer nur rauslese, ist Negativität. Dabei kann es hilfreich sein, den Menschen auch positive Dinge näher zu bringen und mit gutem Beispiel voran zu gehen und vor allem etwas zu tun, statt immer nur mit den Fingern auf andere zu zeigen und zu erwarten, erwarten, erwarten. Statt sich darüber zu streiten, dass Pokémon heteronormativ sei, weil es eine Attacke gibt, die nur beim anderen Geschlecht funktioniert, könnte man versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen und etwas Neues voranzutreiben, anstatt etliche Jahre später das Alte zu bemängeln, ohne zum Beispiel zu berücksichtigen aus welchen Kulturkreisen oder Ideen diese entstanden sind und vor allem: ohne immer eine böse Absicht zu unterstellen, denn das ist es tatsächlich in sehr seltenen Fällen und das sollte man immer ein bisschen im Hinterkopf behalten.

Vor ein paar Wochen wurde mir ein Tweet in meine Timeline gespült, der aussagte, dass das Wort „aufreizend“ ganz klar Rape Culture impliziere. Ich fand das irgendwie unersichtlich und fragte, weshalb die Verfasserin so empfinde. Sie sagte, dass das „reiz“ in dem Wort negativ besetzt sei und sich wie eine an Männer gerichtete Aufforderung anfühle. Ich hab versucht das zu verstehen, auch wenn das auf mich irgendwie überzogen wirkte und die Diskussion war nicht lang, dafür aber sehr nett:  sachlich und freundlich und sie endete damit, dass wir verschiedener Ansichten waren, aber uns mit Respekt begegneten, ohne vorneherum freundlich zu sein und hinterher hämische Nonmentions  zu schreiben.
Das sind Diskussionen die etwas bringen – leider nur noch selten zu finden.

Ich denke: Es gibt nicht nur dafür, oder dagegen. Es gibt Menschen, die dafür sind und Dinge kritisieren, oder nicht allen Dingen übereinstimmen oder sie anders beurteilen und es gibt Menschen, die dagegen sind, aber in ein paar Punkten zustimmen. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es extrem viele Abstufungen und die sollte man nicht einfach außer Acht lassen und mit Nichtbeachtung strafen.

P.S: Mit Kritikern und Menschen mit Meinungsverschiedenheiten meine ich keine Trolle oder zum Beispiel Antifeministen, sondern Menschen, die ein ehrliches Interesse an Themen haben.

P.P.S: Wer ehrlich und sachlich mit mir darüber diskutieren möchte, findet unten die Kommentarfunktion. 🙂

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10 responses to “Mein Problem mit Extremen (Feminismus, Unterhaltungsmedien, Diskussionskultur)

  • barschlampe

    viel wichtiger ist imho ein anderer aspekt, der da mit rein spielt: blinder aktionismus, häufig verbreitet bei veganern und radfems.

    ein beispiel: wem, ausser dem eigenen gewissen, nützt es, die deutsche sprache soweit zu verschandeln dass kein normaler bürger mehr sie versteht (studiersxs und konsorten). ich finde, die zeit, die in derartige vorhaben geflossen ist, wäre mit praktischer hilfsarbeit für benachteiligte wesentlich besser angelegt gewesen.

    aber da müsste man sich ja von seinem sofa erheben und selbst etwas tun, und aktionismus vor der tastatur ist relativ risiko- und arbeitsarm im vergleich zu demos und/oder streiks – im gegenteil, demonstranten und streikende werden, auch dank der massenmedien, mehr und mehr verachtet.

    deutschland verliert seine diskussions- und debattenkultur im streben nach konformität und „ruhe“.

  • stefanolix

    Vor jeder einigermaßen anspruchsvollen Diskussion müssen Begriffe definiert werden. Entweder man einigt sich auf bereits bekannte Definitionen oder man handelt miteinander eine Definition aus. Das ist bei jeder wissenschaftlichen Herangehensweise so; es sollte aber auch auf Diskussionen über Politik, Feminismus etc. angewandt werden.

    Einige Interessengruppen werden dieses Verfahren immer ablehnen, denn sie bestehen auf ihrer »Definitionsmacht«. Je radikaler eine Ideologie, eine Gruppe oder eine Person ist, desto stärker erhebt sie den Anspruch auf die Definitionsmacht über Begriffe, Sprache etc.

    Das Konzept der Definitionsmacht kann mit der oben angesprochenen »Negativität« verbunden sein: dann definiert die Person oder Gruppe, was negativ ist: Pink, Computerspielfiguren, Männlichkeit, Sexualität … was auch immer.

    Dieses Konzept macht nicht nur unsere Diskussionen im Netz kaputt, sondern es steht auch im Widerspruch zum demokratischen Rechtsstaat. Es geht eben nicht, dass jemand aus persönlicher Betroffenheit heraus anderen Menschen deren Rechte abspricht (»Your rights end where my feelings begin«).

    Wenn sich die Vernünftigen darauf einigen, dass Definitionen unter allen Beteiligten ausgehandelt werden müssen (und auch darauf bestehen), sind wir ein großes Stück weiter.

    • Gedankensafe

      Prinzipiell finde ich es nicht falsch, die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die eben auch betroffen sind – was ich falsch finde, ist die Tatsache, dass Menschen nur darauf reduziert werden, um an einer Diskussion teilzunehmen. Es schließt die Menschen aus, die nicht jedem im ersten Satz sagen, dass sie ebenso betroffen sind und nimmt den Menschen eine Stimme, die sich interessieren, oder nicht (öffentlich) outen möchten. Ich spreche ja auch gar nicht für alle Feministen, Veganer, Vegetarier und sonstige „Gruppen/Kulturen“ – die Verallgemeinerung liegt mir im Allgemeinen fern, aber das sind die Beispiele, die mich furchtbar nerven.

      • stefanolix

        Natürlich sollen sie zu Wort kommen. Ich möchte ihnen auch zuhören. Sie sollen uns aber nicht der gesamten Gesellschaft die Maßstäbe aufzwingen dürfen, nach denen diskutiert wird.

  • Chaoticle

    Schön geschrieben. Und recht anspruchsvoll, für den Ort an dem ich Blogs normal weg lese 😀

    Ich schreibe weniger schön:
    Grundsätzlich kann ich dich nachvollziehen. Ich gebe aber tatsächlich dem bösen Internet die Schuld. Das macht uns so. Wer nicht brüllt oder übertreibt/überzeichnet wird nicht gehört. Also übertreiben wir auch bei der Darstellung unserer Meinung, bei der Reaktion in Diskussionen. So einfach. Und je öfter ich auf solche Kollegen treffe, desto häufiger ertappe ich mich selbst auch dabei. Einfach nur die eigene Meinung äußern wird einem abgewöhnt, bei solchen Menschen. Bald haben sie mich. Ich „schieß“ da mittlerweile recht schnell gleich scharf zurück.

    Bei Themen wo das nicht geht äußere ich mich von Begin an nicht mehr. Aktuelles Beispiel Flüchtlinge. Ich halte die Art wie jene 3 Prozent schlimmer Störenfriede, die das Image aller versauen, zu sanft behandelt werden für genau so falsch wie das Anzünden irgendwelcher Heime. Da ich von beiden Seiten entweder Rechts- oder Linksradikal abgestempelt werden würde und diese Annahme dann durch meine Reaktion vermutlich unwillentlich bestätigen müsste halte ich bei allen wirklich kontroversen Themen mit vielen Schwarz- Weiß- Denkern grundsätzlich die Schnauze in Diskussionen.

    Nichts davon ist die Lösung. Aber ehrlich: Es macht keinen Spaß mehr sich zu benehmen wenn man der Einzige ist. Jeder ist immer gleich ein Idiot, keiner hat einfach nur eine andere Sichtweise. Teils liegt dies aber sicher auch am Sprachbild. Wie oft ich im privaten Umfeld „nein, du Idiot“ höre oder selbst sage. Das Gegenüber weiß wie es gemeint ist. Ich auch. Im Internet verhalten sich die Menschen ebenso. Und da will ich mich nicht von einem dahergelaufenen Idioten Idiot nennen lassen 😉
    Also im Ernst: Die Grenze verschwimmt zu sehr an welcher Stelle ich als Mensch wie formuliere. bald gibt es keine Grenzen mehr. Und wir alle sind überall Bitches, Motherfucker und ganz viele Idioten. Sogar vor Gericht. Und dann ist wieder alles in Ordnung. Denn diese Generation kennt Diskussion nur so. Und die Waage ist wieder ausgependelt. gegenseitige Beschimpfung wird bedeuten „wir sind uns eben nicht einig“ und alle gehen gemütlich ein Bier trinken. (Vermutlich beim Kroatischen Wirt, während sie über diese Ausländer schimpfen)

    • Gedankensafe

      Danke!
      Es gibt da einen schönen Blogartikel zu (der recht lang ist) und sich um die Vermutung dreht, wie zB. GamerGate so eskalierte. Also nicht wegen des Themas an sich, sondern wegen der Diskussionsmentalität. Da wird sich auf eine ähnliche Vermutung gestützt und ich denke, du hast auch nicht ganz Unrecht damit. Natürlich kann sich niemand davon ausnehmen, deshalb sprach ich an, dass Menschen eben nur Menschen sind und manchmal auch von Emotionalität geleitet werden – alles andere wäre ja auch komisch. Aber ich finde, dies sollte eben nicht alles bestimmen, schon gar nicht, wenn man andere ebenfalls emotionale Menschen damit angreift oder diffamiert.

      Wenn ich den Artikel finde, schick ich dir den Link mal – vielleicht ist er für dich auch interessant.

  • Idahoe

    stefanolix sagt hier bereits viel richtiges,
    übersieht aber ebenso, daß Sprache nur der Informationsträger ist, nicht die Information selbst.
    Diese Erkenntnis ist wichtig, um beispielsweise „gendern“ abzulehnen, denn Sprache dient der Verständigung und nicht dem Überstülpen von willkürlichen Definitionen.
    Der Leser, der Besucher z.B. ist eindeutig der Bezug der Mensch und nicht ein Geschlecht. Es liegt jedoch eine viel tiefgreifenderer Denkfehler vor:
    Was bei Genderstudies übersehen wird, ist zusätzlich, wären die Geschlechter soziale Konstrukte, dann könnten diese Menschen therapiert und geheilt werden. Was das für betroffene Menschen an Quälerei und Leiden bedeuten würde, wenn Kurpfuscher an ihnen experimentieren…
    Genderstudies sind allein aus diesen Gründen bereits strikt abzulehnen. Das bedeutet jedoch nicht, daß es Anliegen gäbe, über die geredet werden sollte. Den Menschen auf sein Geschlecht zu reduzieren ist dabei nicht hilfreich, sondern kontraproduktiv.

    Das Internet ist lediglich eine Kommunikationsplattform, diese hat nichts mit „Schuld“ zu tun.
    Der Mensch kommt nicht ohne Vergleiche aus, diese bedürfen allerdings Wissen. Letzteres wird gerne übersehen. Wer kein Wissen hat, der wertet, genau wie dies die Doktrin der Ökonomie der letzten 30 Jahre vorgibt. Das führt sehr schnell dazu, daß Aussagen auf die eigene Person bezogen werden, einzig weil die Leute nicht mehr in der Lage sind zu unterscheiden und alles nur noch bewertert wird. Daher findet auch keine Diskussion mehr statt.

    Das betrifft wiederum die Sprache, die lediglich der Informationsträger ist. Werden formale Begriffe bewertet, ist eine sachliche Auseinandersetzung nicht möglich. Political Correctness ist angesagt.
    Der Irrtum beginnt, wenn Begriffe durch Wertung aus ihrem Zusammenhang gerissen werden. Menschen sprechen durchaus die gleiche Sprache, aber sie sind nicht mehr in der Lage, sich miteinander zu verständigen.

    Der Vorteil der ensteht, wenn ein Mensch nicht mehr wertet, ist die Überwindung des eigenen Minderwertigkeitskomplexes…

    Widersprechen will ich noch stefanolix im Bezug zum demokratischen Rechtsstaat, denn dieser ist Teil des Problems und nicht die Lösung. Begründung:
    Rechte sind Regeln und ALLE Regeln haben nur einen Zweck, sie dienen der Verhaltenssteuerung. Das bedeutet, mit jedem Recht, das Menschen fordern, werden sie selbst manipuliert und fremdbestimmt. Daß Demokratie nur eine leere Worthülse ist, kann jeder erkennen, der nur die Augen aufmacht. Recht beruht auf einer Ideologie und daher auch ein Rechtsstaat. (Rechts)Positivismus ist längst widerlegt, siehe in jedem Geschichtsbuch. Zumal sich jeder mal fragen sollte, weshalb sein Leben erst ein Recht benötigen sollte und wer dieses verleiht.
    Als Beispiel genannt sei Rainer Mausfelds „Das Schweigen der Lämmer“ auf Youtube und formale Einwände Condorcet bzw. Arrows Paradoxon.

    Genug, ich hoffe es finden sich noch einige mehr, die beginnen über vieles nachzudenken, ähnlich wie Du es tust, denn das ist der Ausweg aus dem Dilemma.

    Herzlichen Gruß

    • stefanolix

      Ich möchte etwas zum Thema »Gender« und Kommunikation ergänzen. Aus meiner Sicht ist eine Wissenschaft der Geschlechterrollen sehr wichtig, aber sie müsste wirklich als kooperative Wissenschaft angelegt sein und nicht als Ideologie. Ich komme ganz schnell zurück zum Thema, nur ein Beispiel …

      Ein Gegenstand dieser Wissenschaft könnten die unterschiedlichen Entwicklungen von Mädchen und Jungen in der Zeit von der frühkindlichen Bildung bis zum Abitur sein. Man weiß, dass Jungen in dem aktuellen Bildungssystem oft schlechtere Leistungen erzielen als Mädchen, man weiß aber auch, dass die Intelligenz unter unserem gesamten Nachwuchs statistisch normalverteilt ist. Also muss es unterwegs Probleme geben.

      Die Leistungsschwächen einiger Jungen bringen uns als Gesellschaft insgesamt Nachteile. Sie nutzen ihr Potential nicht aus, brechen Bildungswege häufiger ab. Um solche Probleme zu erforschen, muss man interdisziplinär herangehen. Man muss Natur- und Geisteswissenschaften einbeziehen. Man muss vorurteilsfrei forschen und kommunizieren.

      Das ist aber unmöglich, wenn man wie die Gender-Ideologen von einem »alles dominierenden Mann« (Patriarch) ausgeht, den es heute in unserer Gesellschaft gar nicht mehr gibt. Und damit sind wir wieder bei der »extremen« Kommunikation, die im Artikel beschrieben wird: Ideologie kann man nicht kooperativ vermitteln.

      • Idahoe

        Sorry, hier fehlt ein Löschopfer-NICHT:
        Das bedeutet jedoch nicht, daß es NICHT Anliegen gäbe, über die geredet werden sollte.

        Jeder Mensch ist einzigartig, das ist ja auch die Voraussetzung für Evolution. Trotzdem gibt es Tatsachen, die nicht wegzudiskutieren sind. Eine ist, daß beim Menschen der männliche Anteil keine Kinder bekommen kann und auch keine Kinder versorgen kann. Zumindest ist mir nicht bekannt, daß menschliche Männchen Muttermilch erzeugen könnten. Evolutionär betrachtet, ist dies gerade kein Rollenspiel. Ohne die ergänzende Verbindung von Mann und Frau wäre heute keiner von uns auf dieser Welt. Das ist völlig unabhängig davon, was der einzelne Mensch für sexuelle Veranlagungen hat.

        Ich denke nicht, daß diese Veranlagung ein Rollenspiel ist. Daher lehne ich auch die Behauptung eines soziokulturellen Konstruktes des Geschlechts ab und auch die Therapierbarkeit der (oft Homo)Sexualität, beispielsweise durch Psychatrie, Pfaffen oder Quaksalber.

        Die andere Seite ist meines Erachtens aber nicht mit dem Geschlecht verbunden, sondern mit der Bildung allgemein. Hier sehe ich im Leistungsgedanken genau das Problem, als dessen Lösung er sich ausgibt:
        Die Ökonomisierung des Menschen, bedeutet, ihn werten zu können.
        Ökonomisierung hat zur Konsequenz, daß alles in starre Regeln gepreßt werden muß, um diese Bewertungen durchführen zu können. Ökonomisierung hat zwingend zur Folge, daß Büro- bzw. Technokratie und daraus Monokulturen entstehen. Genau hier liegt der große Denkfehler, denn in einer solchen Umgebung kann keine Kreativität und keine Innovation erfolgen, diese wird gar erstickt.

        Statistik ist das größte Übel der Menschheit, denn daraus ergibt sich alles und nichts. Es ist das bevorzugte Mittel eines Ideologen.Es ist der Tod der Wissenschaft, spätestens mit dem Glauben an das statistische Universum Erwin Schrödingers. Das würde hier allerdings zuweit führen.
        Nur eine kleine Anmerkung hierzu: Die Behauptung der natürlichen Auslese, des Survival Of The Fittest, beruht auf Statistik (von Thomas Malthus), die erst im NACHHINEIN festgestellt wird. Dazu strellt ich die Frage:
        Was wird denn natürlich selektiert, die Einzigartigkeit?

        Diese widersinnige Tätigkeit der Einteilung in Starke und Schwache, die eben auch auf Erwin Schrödingers Buch „Das ist Leben“ ruhen und seinen massiven Einfluß auf die Genetik, die heute nicht mehr haltbar ist. Stichwort Epi-Genetik oder tatsächlich wissen wir nicht allzuviel, tun aber so, als ob.

        Die Voraussetzung für Lernen ist Offenheit. Offenheit bedingt die Ablehnung jeder Ideologie, da ansonsten die Offenheit nicht mehr gegeben wäre. Ideologisierte Menschen können nur eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Welt haben, da ihre Ideale keine anderen Sichtweisen zulassen. Das (Pseudo)Wissen, genauer der Glaubensinhalt, wird vom Ideal vorgegeben.

        Ich habe sehr oft in meinem Leben gerade von scheinbar Leistungsschwächeren oder auch von Menschen mit völlig anderen Ansichten lernen können, denn Lernen bedeutet nicht, die Ansichten des Anderen zu übernehmen, sondern diese kreativ zu betrachten und Schlüsse zu ziehen.

        Wobei Logik eine entscheidende Rolle spielt, aber hier meine ich nicht die formale Logik, sondern die Logik als Folge der inhaltlichen Bedeutung. Letzteres wird wohl erst noch geschrieben werden müssen.
        Dies ist allerdings bereits Teil einer anderen Welterzählung, die die heutigen Dispositive (nach Agamben) ablöst.

        Die Grundlage ist hierfür der Begriff des Unveränderlichen, das eine Hypothese ermöglicht, die gänzlich andere Sichtweisen ermöglicht, indem durch soziale Konstrukte geschaffene Realitäten, die der Wirklichkeit widersprechen, erkannt werden können.

        Die heutige Krise ist weit größer als nur die der Geschlechter oder der Ökonomie, sie ist auch eine der Wissenschaft und wahrscheinlich des Menschen selbst.

        Gruß

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