SVV: Gedanken II

Heute kam ein weiterer Erfahrungsbericht, diesmal von @miss_taylorT9. Ich finde es schön, dass wir somit mehrere Perspektiven und Meinungen zum Thema SVV einfangen können. 🙂 Meldet euch ruhig weiterhin. ❤

Hier nun der Text: 

Ich persönlich habe erst recht spät damit angefangen, mich selbst zu Verletzen. Ungefähr mit Anfang 20. Ich habe schon von jeher mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen, oftmals auch mit Suizidgedanken. Die Ursachen liegen bei mir sehr wahrscheinlich an der eigenen Unzufriedenheit, mangelndem Selbstvertrauen und meinem Selbstwertgefühl. Darunter leide ich seit meiner Schulzeit, in der ich zudem Opfer von extremem Mobbing wurde. Hinzu kamen auch Probleme im Privatleben, wie etwa Streit in der Familie, Liebeskummer, Ängste und Sorgen, Schlafstörungen… Zu all dem hatte ich damals auch kaum Freunde. All das staute sich über längere Zeit in einem gewaltigen, innerlichen Druck auf.

Eines Tages griff ich dann zu einem der schärfsten Küchenmesser und schnitt mir in die Haut meines linken Armes. In diesem Moment hatte ich nicht das Gefühl, dass ich etwas falsch machte, nein, es brachte mir wirklich eine kurzzeitige Erleichterung. Den Schmerz nahm ich wahr, aber ich war damals bereit ihn für das andere Gefühl -das der Erleichterung-  in Kauf zu nehmen. So entstand der übliche Teufelskreis auch bei mir; es wurde immer öfter, immer mehr und immer heftiger. Ich schnitt mir immerzu in dieselben Wunden, tiefer und blutiger. Zusätzlich habe ich mich auch selbst geschlagen, meistens waren es sehr heftige Ohrfeigen oder andere Schläge ins Gesicht. Auch habe ich Glasscheiben eingeschlagen um mich an Händen und Armen zu verletzen. Das ging bei mir über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Ich erkannte zum Glück auch von selbst irgendwann, dass es so nicht weitergehen konnte und habe aus eigener Kraft heraus geschafft, damit wieder aufzuhören.

Allerdings ist es mir wichtig zu betonen, dass es richtig ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, da jeder anders ist und es große individuelle Unterschiede gibt. Bis heute hatte ich keine Rückfälle mehr. Und was auch mir nochmals sehr am Herzen liegt und enorm wichtig ist: SVV ist kein Betteln nach Aufmerksamkeit ,es ist der harte Kampf mit sich selbst, der sich seinen Weg nach Außen gesucht hat.

Ich würde mir gerade diesbezüglich für uns Betroffene viel mehr Verständnis, Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft wünschen und keine Vorverurteilungen und Diskriminierungen von psychisch Erkrankten. Von Diskriminierungen in jeglicher Form auf Grund meiner Narben habe ich kaum und eher selten direkt erfahren müssen. Auch nicht bei Behörden, Arbeitgebern, etc… Die üblichen, unangenehmen Blicke von anderen im Sommer, wenn man kurze, leichte Kleidung trägt, spürt man aber dennoch ganz genau.
Meine Narben sind inzwischen weitestgehend sehr gut verheilt und verblasst. Aber sie sind und werden immer ein Teil von mir und meinem Leben sein- dazu stehe ich.

#VersteckDichNicht – by @miss_taylorT9

 

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