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Psychiatrie – Geschlossene Teil 2

Wer den ersten Artikel nicht gelesen hat, findet hier den Anschluss. 🙂

Nach einer Woche auf der geschlossenen Station des AWO Psychiatriezentrums, hatte ich so ziemlich jeden der Patienten einigermaßen verinnerlich. Problem: Es kamen immer mal wieder neue dazu und die alten, mit denen man sich ganz gut verstand und die den Klinikalltag angenehm machten, gingen oder wurden auf andere Stationen verlegt. Mir ging irgendwann das Licht auf, dass die geschlossenen Akutstationen eher zu einer Art Sammelbecken genutzt wurden, um die Leute dann auf die richtigen Bereiche zu verteilen und die „Extremfälle“ eben einfach erstmal lahmzulegen.
Ich hatte immer noch keinen Ausgang und irgendwie schien dieser auch noch nicht in Sicht. Dafür hatte ich inzwischen das Gespräch mit dem Amtsrichter, welcher meinen Gerichtsbeschluss erwirkt hatte. Im Grunde lief es aber nur darauf hinaus, dass ich den Gerichtsbeschluss in seiner Begründung anerkenne, oder nochmal die Gelegenheit habe, diesen anzufechten. Letzteres erschien mir aber völlig unlogisch, denn was ich dem Arzt aus Braunschweig zuvor mitteilte bzw. das Bild welches er von mir hatte, konnte ich nicht verleugnen. Da hatte ich allerdings auch zum ersten Mal das Gefühl, dass die Einweisung der richtige Weg gewesen war – denn laut ausgeprochen klang alles doch bedrohlicher und wurde plötzlich furchtbar real. Suizidalität ist ein ziemlich hässliches Wort und das Gefühl nicht mehr leben zu wollen, war für mich lautloser Alltag geworden. Es aus einem fremden Mund zu hören, war im ersten Moment ein bisschen erschreckend. Ich kannte eigentlich nur das Abschwächen meiner Ängste mit Sätzen wie: „Darüber denkt doch jeder manchmal nach.“ und „Du bist in der Pubertät, das ist normal.“. Das war vor über 10 Jahren. Vermutlich sind jene Aussagen genauso Gift gewesen, wie die Probleme und Symptome, die ich hatte und habe. In meinem Fall ein ziemlich schleichendes und beinahe tödliches Gift; denn ich hab nie daran geglaubt, dass daraus eine ernste Sache würde und durch andere wurde mir dies auch erleichtert. Auf den Gedanken, dass es Dinge gibt, mit denen Menschen nichts anfangen können und die sie vielleicht auch einfach nicht sehen wollen, kam ich mit 14 noch nicht. Irgendwann ging ich auch nicht mehr weg und igelte mich Zuhause ein; der Tod für jeden sozialen Kontakt. Dazu mal an anderer Stelle mehr.

Ein Patient hatte seine eigenen Theorien...

Ein Patient hatte seine eigenen Theorien…

Es war ein Kommen und Gehen auf Station, aber im Allgemeinen war dort tatsächlich nicht sonderlich viel passiert, solange die Patienten ruhig waren. Hin und wieder hatte einer einen Wutanfall. Einer hatte sogar das Stationstelefon dabei zerstört. Das war für mich nicht weiter tragisch, da eh jeder ans Telefon ging, wenn es klingelte. Die Leute, welche mit einem telefonieren wollten, kamen selten durch. Entweder hatte man eine demente Oma dran, die einfach vergaß, dass sie dich ans Telefon holen sollte, oder sie hielt dich für einen Enkel. Ein guter Freund hat so manchen Tag zig Versuche gebraucht, bis er mich endlich am Telefon hatte. Den einen Tag ließ eine Frau ihren Kopf auf den Tisch des Raucherraumes knallen und wiederholte dies eine Weile – bis sie ein Pfleger zusammenschiss. Es gab in der Zeit auch einen Selbstmordversuch, der wohl mangelnder Kontrolle nach dem Ausgang geschuldet war. Fachkräftemangel ist in dem Punkt leider das Zauberwort und in der Pflege ja leider immer noch sehr gängig, obwohl diese zur Zeit ja wieder versucht, auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Ich hatte keine Therapie, ich hatte keinen Ausgang, es gab nur ab und an die Visite und die Oberarztvisite. In der zweiten Woche wurde ich einem Psychologen vorgestellt, welcher zu einer anderen Station gehörte. Es war ein Frage-Antwort-Spiel. Der Mann sah zwar gut aus, hatte gefühlt aber die Empathie einer Kartoffel. Er wollte wissen, wie meine Kindheit war, wie sich meine Familie untereinander versteht, was sich in meinem Leben getan hat. Das Ganze dauerte so eineinhalb Stunden und danach hab ich ihn nie wieder gesehen. Ich fing an mich zu fragen, wer jetzt überhaupt in irgendeiner Weise Interesse daran hatte mir zu sagen, was bei mir schief lief und was ich dagegen tun solle. Die Pfleger/innen waren allesamt eher beschäftigt, teilweise auch einfach nur entnervt, es gab keinen Therapeuten auf Station, wie man mir später erklärte und die Ärzte und Ärztinnen sind nicht dazu da, um an den Problemen etwas zu lösen. Ich hatte das Gefühl, es tat sich einfach gar nichts: ich war mit meinen Gedanken häufig allein und hatte nicht die geringste Ahnung wo und wie es weitergehen würde. Dass ich damit allein war, war aber auch meinem fehlenden Vertrauen geschuldet und nicht nur der Überlastung und Kühle des Personals, welches sicher auch schon abgestumpft war und versuchte, sich selbst irgendwo auch abzugrenzen.

Werk der Ergotherapie

Werk der Ergotherapie

In der gleichen Woche musste ich meinen Arbeitgeber anrufen und selbst nochmal abklären, dass es mir leid tut und dass ich keine Ahnung habe, wann ich wieder einsatzfähig sei. Jene hatten zwar eine Bescheinigung über den Aufenthalt bekommen, wollten aber logischerweise wissen, wann und wie sie mit mir rechnen konnten und ich war mir nicht mal sicher, ob ich meine Ausbildung dort behalten würde. Klar, krank ist krank, aber die Vorurteile gegenüber psychisch Erkrankten sind immer noch sehr weit verbreitet. Nachdem das Gespräch sehr sehr negativ verlief, war ich mir sicher, dass ich meinen Job verlieren würde (auch wenn das dann doch nicht passierte) und zu allem anderen kam nun zusätzlich Existenzangst. Ich heulte Rotz und Wasser.

Am Tag darauf durfte ich zum ersten Mal an der Ergotherapie teilnehmen und bekam Gruppenausgang.
Bei der Ergotherapie, bei der es hauptsächlich um das Gestalten geht, stellte ich erst wieder fest, wie schwer es mir fiel, mich langfristig für etwas zu interessieren, was ich früher sehr gern tat: Malen. Die Konzentration und die Kraft für diese Dinge waren einfach weg – auch das fiel mir erst durch den Abstand zum Alltag auf. Auch das Aushalten anderer, mir zum Teil unbekannter Menschen in einem geschlossenen Raum machte mir erhebliche Schwierigkeiten und ich fühlte mich danach meistens eher schwächer, als zuvor – zumindest zu Anfang. Ein Mal fühlte ich mich auch so unruhig, dass ich einfach gar nicht in der Lage war, etwas zu machen.

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In der 4. Woche bekam ich Bescheid, dass ich vorzeitig auf eine offene Station verlegt werden könnte, wenn alles gut laufe und dort in naher Zukunft ein Platz frei würde.
Endlich eine gute Nachricht!


Psychiatrie – Geschlossene Teil 1

Neulich fragte mich jemand, ob ich nicht einen Artikel über meinen Klinikaufenthalt 2012 posten wolle, damit auch mehr Menschen sich etwas darunter vorstellen könnten und um ihnen eventuell die Angst zu nehmen. Da ich das sowieso langsam alles mal thematisieren wollte, gar kein Problem. Die Blogposts werden in mehrere Teile unterteilt – der Übersicht halber, da ich drei Stationen über die 6 Monate verteilt besucht habe und damit sie nicht allzu lang werden. Natürlich mag es für einige etwas befremdlich sein, da ich mitunter über sehr ungewöhnliche Situationen schreibe, aber da ich mich irgendwann mal in einem Selbsthilfeforum anmeldete und es später ein paar Jahre mitbetreute, war ich einiges gewohnt. Abgesehen davon: was ist schon normal?

Here we go:

Alles fing damit an, dass ich gegen 23 Uhr in einer psychiatrischen Aufnahme in Braunschweig saß, meinen Gerichtbeschluss schon aufgedrückt bekam (ja, sowas geht auch zu unchristlichen Uhrzeiten)  und erfuhr, dass man in Braunschweig nicht für mich zuständig sei und deshalb einen RTW bestellte. Dieser RTW sollte an irgendeiner Chirurgie nochmal Halt machen, um diverse Verletzungen zu versorgen.
So saß ich kurz darauf im RTW, mittlerweile eine Tavor intus, damit ich mich nicht noch mehr aufregen konnte. Die Menschen, die mit mir dort saßen schwiegen und ich schwieg genauso – was hätte man auch sagen sollen? Ich überlegte, ob ich mich bei ihnen entschuldigen oder irgendwie Smalltalk anfangen sollte, entschied mich aber dagegen. An der Scheibe des RTW prangte von Außen ein Wolf (ich nehme mal an, dass es einer aus Wolfsburg war) und ich fixierte mich darauf, durch die getönten Scheiben zu sehen und herauszufinden, wo wir uns gerade befanden. Etwa 20 Minuten später hielt der Wagen und ich wurde gebeten auszusteigen. Wir gingen auf ein recht unscheinbares Gebäude zu, aber ich fand sehr schnell heraus, dass es die Chirurgie war, welche gerade Notdienst hatte. Wir gingen also zum Empfang, meine Begleiter meldeten mich an und der Mann selbst, der die Sache aufnahm, war überaus gereizt, weil man mich – da Weiterfahrt – dazwischen schieben musste. Ich konnte mir das Gemotze darüber anhören, dass eh viel zu tun sei und dass die Kliniken immer nur stressten. Meine Begleiter sahen mich entschuldigend an, aber ich sagte nichts dazu – ich konnte es irgendwo verstehen. Kurz darauf wurden meine Wunden versorgt, mir eine Tetanusspritze in den Arm gerammt und ich bekam noch ein kurzes: „Immer diese Borderliner….“ mit auf den Weg. Natürlich war ich keiner, das wusste sogar ich zu dem Zeitpunkt, aber diese Erklärung sparte ich mir. Also zurück in den Wagen und ab dafür. Die Fahrt war recht lang – oder sie kam mir so vor – aber nach circa 40 Minuten erreichten wir sodann das AWO Psychiatriezentrum Königslutter.

Ein Blick aus dem Fenster

Ein Blick aus dem gesicherten Fenster

Wir parkten direkt vorm Eingang, sagten kurz am Empfang Bescheid und stiegen in einen Aufzug. Im dritten Stock stiegen wir wieder aus: der Flur war komplett dunkel – es war inzwischen auch halb 1, wie ich erfuhr. Wir gingen nachdem wir geklingelt hatten durch eine ziemlich große Metalltür, meine Begleiter übergaben meine Papiere und verschwanden. Ich wurde in das halboffene Schwesternzimmer geführt und angehalten, dort zu warten. Nach ein paar Minuten tauchte ein Arzt auf, den man von einer anderen Station zitieren musste. Just in dem Moment hielt ich es für einen schlechten Witz: er hatte sehr sehr lange, recht ungepflegte Haare, ging in recht gebückter Haltung und erinnerte mich allgemein an alles, aber nicht an einen Arzt. Dieser stellte sich mir vor, setzte sich an den Tisch und sah mich eine Weile an. Ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen, für mich war diese Situation drei Mal so fremd, wie für ihn, dachte ich. Nach einer Weile brach er das Schweigen und fragte mich, weshalb ich hier sei. Da mich das „Ich weiß von gar nichts“-Getue ankotzte, fragte ich ihn, ob er das nicht in dem Brief lesen möge, den man mitgeschickt hatte. Ich war einfach nur müde und wollte dieses Prozedere möglichst schnell abhaken – immerhin hatte ich mit dem Mann, der mir den Beschluss einbrachte, schon reden müssen. Nachdem es dann ein recht kurzes Frage-Antwort-Spiel wurde (er hatte eigentlich genauso wenig Lust wie ich), ich ein paar Fragen strikt ablehnte und zum zweiten Mal diesen Abend meine Klamotten ausziehen musste, verließ er den Raum und wünschte eine gute Nacht.  Gleich darauf kam eine Schwester hereingeschwebt, plapperte mir grob die Regeln vor, nahm mir einen Großteil meiner Sachen ab (Schnürsenkel, Handy, Mp3Player, Schal, Gürtel, Stifte – beinahe fast alles) nachdem ich diese beschriftet hatte und fragte mich, ob ich heute Nacht Scheiße baute. Ich verneinte das und bekam ein: „Gut, dann musst Du nicht auf dem Flur schlafen“ zur Antwort. Stattdessen gab man mir, um Schlafen zu können (da ich angab, starke Probleme damit zu haben) eine Ximovan und noch eine Tavor und zeigte mir das Zimmer, in dem ich die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Meine „Mitinsassen“ schliefen bereits und mein Bett war nur so quer ins Zimmer geschoben, da die Station schon arg überfüllt war. Ich bekam eine Wasserflasche, krabbelte irgendwie hinein und starrte eine ganze Weile auf die Tür (lag genau in der Richtung), welche schwach beleuchtet war. Kurz darauf hatte ich die ersten, ziemlich heftigen Halluzinationen meines Lebens: die Türklinke bewegte sich und ich hatte meine Wasserflasche auf mein Bettzeug verschüttet (lustigerweise war diese am Morgen ungeöffnet).

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Um 5 Uhr wurde ich wach – erstmal nichtwissend, wo ich mich eigentlich befand. Ich hörte die ganze Zeit nur eine dumpfe, schimpfende Stimme, welche, wie ich nach ein paar Momenten herausfand, aus dem Bad kam. Meine andere Zimmergenossin war anscheinend auch wach geworden und beruhigte mich: „Das ist nur Sabine. Das passiert ab und zu.“ Die Tonlage wurde sehr scharf mit der Zeit und endete in einem sehr lauten Geschluchze. Das ist also Sabine. Nungut. Ich schälte mich aus dem Bett, da Schlafen nun eh keine Option mehr war und verließ den Raum. Links des Ganges sah ich ein paar Zimmer und den Speiseraum, welcher völlig verglast war. Mein erster Gedanke: „Wie im Zoo.“. Ich stellte fest, dass man auf der Station im Kreis gehen konnte – keine weiteren Verzweigungen. Zimmer, Zimmer, Zimmer, Speiseraum, Zimmer, Zimmer, Zimmer, links der Fernsehbereich. Der Fernsehbereich erinnerte eigentlich eher an ein Wartezimmer. Ein paar Pflanzen, ein paar Stühle, zwei Sessel, Zeitschriften und eine lange Fensterfront. Dann fand ich das Raucherzimmer – natürlich wieder verglast – mit ein paar Stühlen und einem Tisch darin. Dann wieder Zimmer, Zimmer, Zimmer, Bad, Schwesternbereich (davor gab es eine Art hölzerne Telefonzelle) und dann stand ich wieder vor meinem Zimmer. In der Mitte war nochmal eine halboffene Kochnische, aber die benutzte vermutlich nie jemand. Die Schubladen waren alle abgeschlossen, die Hängeschränke ebenfalls. Nur auf der Ablage standen ein paar Plastikflaschen Wasser. An den Wänden prangten verschiedene Landschaftsmalereien und Bilder, die eine möglichst natürliche Atmosphäre schaffen sollten, aber ich empfand es als so gewollt, dass es mir eher unnatürlich erschien. Ich ging zurück ins Zimmer, holte die Zigaretten, welche man mir großzügigerweise gelassen hatte, um eine zu Rauchen. Die erste seit sehr vielen Stunden. Meine Zimmergenossin schloss sich mir an – „Sabine“ lag wieder im Bett. Nachdem wir unser „erstes Frühstück“ erledigt und die ersten Beschnupperungen hinter uns hatten, wartete das zweite. Der verglaste Raum wurde aufgeschlossen, auf den Tischen standen unsere Tabletts. Während ich meines eine Weile suchte, fiel mir keine Ähnlichkeit zu einem Zoo auf – es erinnerte nun mehr an ein Gefängnis. Ich saß an einem Tisch mit ein paar Männern – die Pfleger hatten das so festgelegt und starrte mein Brot an. Hunger hatte ich nämlich so gar keinen. Zwischendurch hörte man meine Zimmergenossin ins Essen Schluchzen – die Stimme kannte ich bereits. Ein anderer versuchte mit jemandem seine Wurst zu tauschen, als dieser verneinte, flippte er aus und warf seinen Stuhl um. Auf den ersten Blick stellte ich fest, dass die Geschlossene eher eine Art Auffangbecken war. Hier saßen aggressive Menschen, sehr alte Menschen (teilweise extrem demente), sehr junge Menschen, sehr auffällige und auch sehr unauffällige. Das Personal hielt sich die komplette Zeit zurück und gesprochen wurde ansonsten auch nicht sonderlich viel. Als ich feststellte, dass die Leute, welche aufgegessen hatten, ihr Tabletts nach draußen brachten, tat ich es ihnen nach. Ich wusste überhaupt nicht, wie der Laden läuft – es hatte mir exakt niemand erklärt. Danach holten sie sich ihre Medikamente ab. Ich wollte an der Schwester mit den Miniaturwasserbechern vorbeigehen, da ich nichts erwartete, aber sie hielt mich an und gab mir einen Becher. Ich fragte, was das sei und bekam nur zur Antwort, dass die Oberärztin es mir erklären würde. Da ich nicht wusste, welche Folgen eine Verweigerung nach sich ziehen könnte, nahm ich das Medikament und ging an ihr vorbei, zum Blutdruckmessen. Der war zu niedrig. Wie immer.

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Kurz darauf saß ich auf meinem Bett, wusste nichts mit der Zeit anzufangen und wartete auf den Termin mit der Oberärztin, welcher sich ziehen würde. Ich sprach ein bisschen mit meinen Zimmergenossinnen, auch wenn eine von beiden eher kein Interesse daran hatte, rauchte, rauchte, rauchte. Als ich dann endlich zur Oberärztin durfte, erfuhr ich, dass ich keinen Ausgang bekam, Atosil nehmen sollte, um stabil zu werden und mich zu beruhigen. Dann erst kam die Frage, weshalb ich eigentlich hier sei. Ich hätte doch alles: einen Freund, eine Ausbildung… Ich muss zugeben, dass mich die Frage damals sehr wütend und traurig machte, im Nachhinein war das aber Taktik, um mich hinter dem Ofen vorzulocken. Ich sagte ihr, dass ich gehofft hatte, dass sie mir sagen könne, was mit mir nicht stimme und erklärte ihr meine Symptome. Sehr viel sagte sie dazu nicht, ein Pfleger notierte sich die ganze Zeit Dinge und abermals wurde ich aufgefordert, meine Sachen auszuziehen. Es war nun das dritte Mal und nervte mittlerweile auch stark. Ohne jetzt groß etwas zu wissen, wurde ich hinausgeschickt. Rauchen, Mittagessen, Rauchen, aus dem Fenster starren, Rauchen. Hier und da mit jemandem reden. Abends Medikamente und TV, dann schwankend ins Bett. Das war der erste Eindruck.