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„Tue was du liebst“

Wähle einen Beruf den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten. – Konfuzius

 

Praktisch jeder Mensch kennt diesen Spruch und jeder kennt die Geschichten von Menschen, die in ihren Jobs die Erfüllung finden, weil sie ihrem Herzen folgen und ihre Leidenschaften im Beruf ausleben. Man erzählt sich von Menschen in gut bezahlten Jobs, welche sich mitten im Leben plötzlich dafür entscheiden, etwas zu machen, was weniger angesehen und weniger gut bezahlt ist. Sie sind glücklich und der Weg ist denkbar einfach. Sie tun es ja einfach. Wären diese Geschichten umgekehrt so inspirierend? Selten. Noch seltener werden sie erzählt. Schon gar nicht von Motivatoren, Personalern und Menschen, die ihr Geld mit ähnlichen Tätigkeiten verdienen.

Warum?
Weil es sich selten realisieren lässt. Ein großer Teil der Menschen arbeitet in Berufen, die nicht ihr Traumjob sind, haben Familie, Miete zu zahlen oder können sich einen kompletten Umbruch und Lohnverzicht schlicht nicht leisten. Es muss weniger mit Hierarchie, Referenzen und Ausbildung zu tun haben. Die Risiken sind außerdem zahlreich. Was, wenn man doch nichts findet? Was, wenn das Geld zu knapp wird? Was, wenn ich eigentlich eine andere Zeitplanung und Vorstellung meines Lebens habe? Was, wenn ich zwischen all dem zum Beispiel Kinder möchte? Was, wenn ich schon über 50 bin und auf dem Markt schon geringere Chancen habe?

Nah dran ist perfekt

Diese Geschichten und Vorträge sind schön anzuhören und können dem Ein oder Anderen sicherlich auch klarmachen, was ihm fehlt – aber sie machen oft unglücklich. Wenn Menschen beschließen alles hinter sich zu lassen und eine Bar aufzumachen, ist das toll. Wenn sich jemand entschließt, nun doch etwas völlig anderes zu machen – ebenso! Für andere ist es eine Messlatte an der sie scheitern. Ein Job sollte Spaß machen, aber kein Job der Welt tut dies jeden Tag, zu jeder Zeit. Da spielt nicht nur das, was man kann und das was man machen will eine Rolle, sondern eben auch alles andere. Noch weniger Spaß macht ein Job, wenn man sich fragt, ob er nicht eigentlich immer Spaß machen sollte und wo man bei seiner Berufswahl falsch abgebogen ist. Oder gar wenn man das Gefühl hat, sich nicht mit weniger zufrieden geben zu dürfen, als das Gefühl, der Job sei makellos und perfekt. Was spricht gegen „nah dran“ und hier und da einen Kompromiss oder einen Ausgleich? Wenn wir statt dieser Geschichten vielleicht auch ein bisschen mehr der Wahrheit erzählten, nämlich, dass Arbeit – egal welche – letztendlich nur ein Austausch von Zeit gegen Geld ist, gewännen wir wohl mehr.

Es ist nicht schlimmes daran.