Schlagwort-Archive: ProAsyl

#gamers4refugees – und was damit verbunden ist

Liebe Gamer, liebe Gelegenheitsgamer, lieber Nichtgamer,

ihr seid alle gefragt!

Ich weiß, dass das Thema Flüchtlinge viele in meiner Timeline nur noch abfuckt, dass viele sagen, es nerve, nur noch ein Thema zu lesen. Viele nehmen auch an, dass einige nur da mitziehen, um etwas zu sagen zu haben oder sich als „White Knights“ zu profilieren. Auch mir wurde das unterstellt. Und wisst ihr was?
Das ist mir völlig egal. 🙂

Ich spende seit Jahren einen festen Betrag an Plan und habe eine Patenschaft übernommen.
Ebenfalls seit ein paar Jahren spende ich an den ASB in Braunschweig – unter anderem für den Bau eines Krankenwagens extra für Säuglinge (davon gibt’s in diesem Land nämlich echt wenig). Ich hab jahrelang Spenden gesammelt für Dunkelziffer e.V. und es hat mir nicht geschadet. Und ich wette, ihr wusstet das nicht mal – ich gehöre nicht zu den White Knights, die sich damit brüsten und selbst wenn es Menschen tun, es schadet niemandem. Es schadet nicht, anderen etwas zu gönnen.

Logo von @Kaffeekind (Twitter)

Logo von @Kaffeekind (Twitter)

Worauf ich eigentlich hinauswollte:
Die aktuelle Flüchtlingsthematik ist bekannt – es sterben tausende Menschen im Mittelmeer auf dem Weg in die Freiheit – sie werden in Zeltstädten untergebracht, die zum Winter hin gewiss sehr kalt sein dürften, es braucht genügend Nahrung und Kleidung, was durch Sachspenden zu einem Teil aufgefangen wird, aber es braucht auch Akzeptanz, Toleranz und Schutz.  Erst jetzt gingen Fotos eines Kindes herum, dessen lebloser Körper angespült am Strand liegt – er ist auf der Flucht ertrunken. Ein Kind, das nur eine Welt voller Schmerz in seinem kurzen Leben kannte und keine positiven Erfahrungen mehr wird machen dürfen.
Ich möchte nicht an die Menschen appellieren, die „Das ist gestellt!“ rufen, nicht an die, die in Allem nur eine Verschlechterung ihrer eigenen Situation vermuten und nicht an die, die glauben das Boot sei schon lange voll – denn Flüchtlingsboote sind bis zum Rand gefüllt.  Da ist Hopfen und Malz in fast allen Fällen verloren.

Ich möchte euch von einer Aktion erzählen, die Tibor und Pia in die Welt gerufen haben.
Die Rede ist von #gamers4refugees.
Sicherlich ist dem Einen oder Anderen schon etwas davon durch die Timeline geschwirrt und die Resonanz bisher war weit besser, als erwartet – aber es gibt immer noch viel Bedarf, vor allem in der Gamingszene. Die großen Plattformen, welche durch bloßes Teilen allein schon viel erreichen könnten, haben kein oder ein vermindertes Interesse daran (bis auf Gameswelt – aber die sind eh großartig!), sich „vor einen Karren spannen zu lassen“ – also liegt es an uns, den Hashtag und eben auch die Aktion weiter zu verbreiten. Es geht darum Spenden für ProAsyl (die seit mehr als 25 Jahren in dem Bereich aktiv sind) zu sammeln. Es geht darum, Menschen zu helfen, die nichts sonst haben. Es geht darum, etwas zu bewirken!

Springt über euren Schatten, glaubt nicht alles, was rechts-angehauchte Medien schreiben, kommt vielleicht von dem „Ich hab auch Probleme“-Gedanken weg – denn ich hab sie auch. Wir alle haben welche – aber ein Klick auf den Sharebutton und ein Euro als Beispiel tun nicht weh, denn wir haben immer noch mehr, als viele anderen Menschen. Viele von ihnen haben nur noch ihr Leben – das war’s.

Wer bis hierher gelesen hat und noch nicht vollends genervt ist, kann den Blogeintrag teilen, sich auf #gamer4refugees Infos über die Aktion holen, oder bei Bedarf auf die Spendenseite gehen. Das Spendensystem ist sehr bequem: es kann vom Konto per Lastschrift abgebucht werden, per Paypal laufen etc. – und die Initiatoren sehen das Geld nicht.; nur für den Fall, dass euch das sorgt. Es geht direkt an den Verein, für den gespendet wird.
Übrigens, wer glaubt, dass es scheiße sei, dass andere Menschen für einen Verein sammeln, welcher diese Aktion selbst reinstellen könnte: ProAsyl hat das bereits getan und bei weitem nicht so viel erreicht – wir brauchen die Community!


Ihr seid nicht das Volk!

Ich hab weder Politik studiert noch die Weisheit mit Löffeln gefressen – aber ich besitze Empathie und ein Gehirn zum nachdenken. Sollten sich manche Menschen auch zulegen. Die Fähigkeit über den eigenen Tellerrand zu schauen ist in dem Fall auch von Vorteil.

Ich debattiere seit gefühlten Wochen mit Wutbürgern, Neunazis, Altnazis und Menschen, die sich für „das Volk“ (aber nicht für Nazis) halten.
Leider passt die Bezeichnung  „Volk“ so gar nicht, da sie seit der Neuzeit für eine Menschengruppe (u.U. eines Staates) steht, die eine Sprache und eine Kultur teilen. Mal abgesehen davon, dass das selbsternannte „Volk“ der deutschen Sprache gefühlt  nicht mal richtig mächtig ist, müsste ich  mich selbst als einen Teil dieses „Volkes“ sehen – das kann und will ich aber nicht.  Angebracht wäre eher die Bezeichnung „völkische Bewegung“ und wer das jetzt nochmal auf Wikipedia nachschlägt wird sehen, dass diese Bezeichnung sehr wohl deutschnational und antisemitisch-rassistisch gemeint ist.
Ich bin kein Nazi, aber… SCHNAUZE. Ihr seid Arschlöcher, die anderen nicht mal die Butter auf ihren Broten gönnen. Rassistisch, selbstgerecht und von Hass getrieben. Angst vor Veränderungen, Angst vor Unbekanntem – so typisch Deutsch.

Ich debattiere mit diesen Menschen, weil ich der Meinung bin, dass es immer noch genügend Mitläufer gibt, die sich gar keine Gedanken um solche Dinge machen, sondern einfach nur irgendwo dazugehören wollen. Die keine (oder rechte) Medien konsumieren, nur das hören, was sie hören wollen und durch entsprechende Kreise eben auch nur jene Dinge vorgesetzt bekommen und jene verdrehen. Manchmal sind einsichtige dabei, welche sagen, dass sie manche Aspekte nur von einer Seite beleuchtet haben. Das ist der einzige Grund, wieso ich mir das überhaupt noch antue. Zwischen 100 Beleidigungen, zwischen 100 Eingriffen in die Privatsphäre, zwischen 100 uninformierten Dummschwätzern sitzt einer, der die Reißleine zieht und wenigstens versucht zu verstehen. Es ist einfach wichtig, nicht immer den Mund zu halten und andere machen zu lassen. Das selbsternannte Volk droht und reißt ebenfalls ihre Fresse auf – warum also nicht Andersdenkende? Einer von ihnen war Blogger Heinrich Schmitz, welcher sich zurückzieht aus Angst um das eigene Leben und das seiner Familie. Die Petition, in der er auch tätig war, gibt es übrigens immer noch. Auch wenn das Demonstrationsrecht meiner Meinung nach nicht anzugreifen ist, lohnt es sich auf jeden Fall, die Entwicklungen zu verfolgen und jene zu unterschrieben, insofern man damit übereinstimmt.   Jetzt erst recht.

Nachfolgend kommen einige Kommentare, die mir immer wieder in den Medien entgegenstrotzen, oder mir an den Kopf geworfen wurden. Natürlich während man mich gleichzeitig als Asylhure, frigide Linke und  als einen Gutmenschen betitelte.

„Uns Deutschen geht es auch nicht gut – man sollte erstmal im eigenen Land helfen.“

Uns Deutschen geht es nicht gut? Du hast diesen Kommentar nicht ernsthaft über ein internetfähiges Endgerät geschrieben, in deiner warmen Wohnung, unter einem Dach? Du sitzt nicht in einer Wohnung oder draußen im schönen, grünen Park mit bezahlbaren Lebensmitteln, viel Wasser oder Bier? Du rennst nicht durch die Straßen auf der Suche nach medizinischer Versorgung, ein paar Lebensmitteln oder einem Weg, irgendwie zu entkommen? Dir geht es zu gut! Du hast deinen Fernseher, auf dem du dir täglich dein Verdummungsprogramm ansiehst, beziehst Hartz4/Lohn/Rente, du hast eine fucking Krankenversicherung! Du hast bezahlbare Lebensmittel, das Wasser kommt aus der Leitung und hey – niemand ist hinter dir her, es gibt keinen Krieg und das Beste noch: du darfst deine dämliche Meinung verbreiten, wann immer du willst. Diese Rechte und Güter haben viele Geflüchtete in ihren Herkunftsländern nicht. Dies müsste man aber erstmal zu schätzen wissen.
Ihr gönnt es nicht mal euren eigenen Landsleuten: immer haben andere mehr und ihr wollt immer mehr, am liebsten, ohne etwas dafür tun zu müssen. Deine größten Probleme sind die Politiker, das Wetter, die Einwanderer, die GEZ. Denn jeder will nur etwas. Aber du gibst selten etwas – nicht mal ein Lächeln.

„Ich suche seit 3 Jahren nach einer Wohnung und die freien werden für Flüchtlinge genutzt!“

Um eine Wohnung zu bekommen, muss ein Geflüchteter erstmal Wochen bis Monate warten, teils in Asylantenheimen, teils in Zelten. Zusammengepfercht, ohne Privatsphäre, auf engem Raum, teilweise unter widrigsten Umständen. Und sie sind dankbar dafür. Sie sind dankbar dafür, dass sie den langen und gefährlichen Weg überlebt haben. Sie verstehen unsere Sprache in selteneren Fällen, leben mit weiteren Geflüchteten auf engem Raum und verstehen diese auch nicht zwingend. Sie haben Angst, sind meistens traumatisiert und müssen auch noch all diesen Hass ertragen.  Du sitzt da, in einer Wohnung dessen Zimmeranzahl oder Badewanne dir nicht passt, auf der Suche nach mehr Luxus. Immer nur auf der Suche nach mehr,  für wenig Geld und jammerst. Du jammerst über alles – und wenn es nur deine Nachbarn sind, oder die Farbe deiner Fliesen.

„Ich arbeite rund um die Uhr und die haben Smartphones und wollen unser Geld!“

Diese Menschen haben einen weiten Weg auf sich genommen, auf Boote gequetscht, auf der Autobahn ausgesetzt. Jedes Jahr sterben Hunderte von Geflüchteten auf dem Weg in die Hoffnung. Die Hoffnung auf ein bisschen Frieden, auf ein Leben ohne Angst. Einige davon haben Smartphones – aber es ist kein Luxus. Sie brauchen keine Fernseher, keine Markenhandtasche, keinen teuren Sommermantel, keine verdammten Nike-Schuhe, welche in manchen Ländern sowieso hergestellt werden. Sie brauchen Ruhe.

Diese Menschen wollen nicht an unser Hab und Gut – sie wollen gottverdammtnochmal leben und wer sind wir, die uns hier die Ärsche pudern lassen und andere unter unsere Bedürfnisse stellen?

„Die meisten sind Wirtschaftsflüchtlinge!“

Statistisch gesehen sind die meisten Menschen, die unsere Zuflucht suchen aus Ländern in denen bösartigster Krieg herrscht. Natürlich können wir das nicht nachvollziehen, obwohl wir es besser wissen müssten, aber unsere Generation hat nicht mehr viel vom Krieg mitbekommen und weiß nicht, wie es ist, wenn Bomben fallen, die eigene Familie erschossen wird oder Angehörige unter Trümmern liegen. Wenn die eigenen Kinder mit Waffen unter den Armen in den Krieg ziehen müssen, obwohl sie sie kaum tragen können. Wir wissen das nicht mehr. Aber das gibt uns nicht das Recht zu beurteilen, wer verdient hat, in unser Land zu fliehen und um Hilfe zu bitten. Übrigens wird der Großteil der „Wirtschaftsflüchtlinge“ über kurz oder lang ins eigene Land zurückgeschickt. Nachlesen kann man das übrigens hier und hier.

 „Die Kriminalität ist seither weit angestiegen und wird von den Medien als Einzelfälle tituliert, oder die Nationalität wird von ihnen verschwiegen!“

Genaugenommen sind Geflüchtete verschieden, wie unsere Mitbürger. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Geflüchtete öfter Straftaten begehen, als Deutsche oder noch andere Staatsbürger. Für Jugendliche ist dies sogar widerlegt worden.
Mir ist in den letzten Tagen häufiger eine Polizeistatistik über den Weg gelaufen, mit der versucht wird, diese Behauptung zu untermauern. Das ist allerdings ziemlicher Bullshit, denn es geht bei dieser Statistik nicht um Täter, sondern Tatverdächtige. Desweiteren werden Menschen auf der Durchreise (demnach nicht Flüchtlinge sondern Urlauber und Co. aus aller Herren Länder) mit eingefasst und zudem noch auf die Einwohner angerechnet. Desweiteren fehlen jegliche Tatunterscheidungen – könnte ja von Mundraub bis Mord alles sein. Wenn die Deutschen somit statistisch gesehen mehr Morde begehen, als tatverdächtige Ausländer, welche vor Hunger zum Beispiel eher zu Diebstahl neigen, hat euch eure ganze These auch nicht mehr so viel gebracht.  Im Grunde ist diese Statistik bei weitem nicht so aussagekräftig, wie die Herren und Frauen Nazi glauben. Zum anderen ist das Anzünden von Flüchtlingsheimen und fremder Leute Eigentum auch nicht gerade der Kavaliersdelikt. Und wenn man euch darauf hinweist, dass ihr somit eure eigenen Steuergelder verbrennt, dann sind die Linken jene, welche ja viel mehr Schaden anrichten. Natürlich. Im Namen des Volkes darf man ja alles. Auch spinnen.

Ich hab niemals einen Menschen durch Krieg, durch politische Verfolgung oder ähnliche Gegebenheiten verloren. Ich hab niemals meine Familie in der Heimat zurücklassen müssen, in der Hoffnung die Schwächeren, welche die Reise unter Umständen nur schwer überleben können, später zu holen.  In eine Welt, in der sie sehr häufig nicht freundlich empfangen werden, in der sie mit Intoleranz und Ignoranz gestraft werden, obwohl sie sich ihre Lebensumstände nicht herbei gesehnt haben. In eine Welt, in der zum Großteil nur noch Gier herrscht. In die Welt, in der man Geld für Fackeln ausgeben kann, um mit jenen einen Marsch durch die Stadt zu machen und dumpf nachgeplapperte Parolen zu brüllen. In eine Welt, deren Sprache sie nicht verstehen, sich ständig rechtfertigen und dumm anglotzen lassen müssen. In eine Welt, die so kalt geworden ist.

Deutschland, ich schäme mich für dich. Du kotzt mich an.